„Moorburger haben genug an der Backe“

In diesem Haus am Moorburger Elbdeich sollen die drei Männer untergebracht werden. (Foto: mag)

Besucher des Kunstcamps sind sich einig: Ex-Sicherheitsverwahrte sollen nicht in das Elbdorf

von Bernhard Bruno, Moorburg
Kohlekraftwerk, Spülfelder, Autobahn und bald auch eine Elbschlickdeponie, noch eine Autobahn und drei Gewalttäter, die für so gefährlich gehalten werden, dass man sie bewachen muss – all das ist Moorburg. Aber in Moorburg lebt auch ein bunter Haufen von kreativen Menschen. Die haben sich im Verein „Elbdeich“ zusammengeschlossen und sich vorgenommen, trotz allem die Lebensqualität in dem alten Elbdorf zu verbessern.
Ein Schritt zu mehr Lebensqualität war das Kunstcamp in der alten Moorburger Schule, in dem jeder, der wollte, seine Kreativität ausleben konnte. Egal, was dabei herauskam. Nur gut einen Kilometer von dem Haus entfernt, in dem der Senat ab Dezember drei Ex-Sicherheitsverwahrte unterbringen will, wurde geschnitzt, gemalt, fotografiert und gedruckt – in entspannter und friedlicher Atmosphäre. Und doch war die Entscheidung des Senats, die drei Männer ausgerechnet in Moorburg unterzubringen, vor allem bei den Besuchern des Kunstcamps ein Gesprächsthema.
„Ich kann es nicht verstehen“, sagt Beate Schmidt-Kohlbusch aus Harburg. „Die Moorburger haben wirklich genug an der Backe, und nun auch noch das.“ Man dürfe den Männern zwar nicht unterstellen, dass sie wieder straffällig werden. Die Gefahr bestehe aber trotzdem. Deshalb sei überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum die Männer ausgerechnet in einer wenig besiedelten Gegend leben sollen. Da sei die Chance doch viel größer, dass sie sich unbeobachtet fühlen. Schmidt-Kohlbusch: „Je mehr Menschen in ihrem Umfeld herumlaufen, desto sicherer sei der Einzelne.“
Jana Sczesny aus Wilhelmsburg vermisst bei der Senatsentscheidung die „Wertschätzung“ für die rund 700 Moorburger: „Sind sie etwa Menschen zweiter Klasse?“ Auch wenn sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Hamburgs eher klein an Anzahl sind, müsste ihre Situation doch berücksichtigt werden. Niemandem sonst in Hamburg mute man so viel zu. Es reiche doch, dass die Moorburger seit Jahrzehnten mit der Angst leben, eines Tages aus ihrer Heimat vertrieben zu werden. Ihr Mann Arthur pflichtet ihr bei, sagt aber auch: „Ich habe hohen Respekt vor der Reaktion der Moorburger.“ Sie hätten sich nicht an der Hetze gegen die drei Männer beteiligt.
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