Mit dem Wattwagen nach Neuwerk

Bei Ebbe geht es nur durchs Watt nach Neuwerk. Entsprechend viele Pferdegespanne sind oft unterwegs. (Foto: Annekatrin Buruck)

100 Kilometer entfernt und doch ein Hamburger Stadtteil – Finkenwerder Regionalausschuss tagte auf der Insel im Wattenmeer

von Annekatrin Buruck, Neuwerk/ Finkenwerder
Wenn Volker Griebel etwas mit der Hamburger Verwaltung zu klären hat, greift er entweder zum Telefonhörer oder er muss eine gut dreistündige Anreise in Kauf nehmen – erst mit dem Schiff oder dem Wattwagen und dann mit dem Auto. Griebel ist Inselwart auf Neuwerk und kümmert sich um die Belange seiner rund 40 Mitbewohner. Seine Heimat in der Elbmündung gehört zum Bezirk Hamburg-Mitte und wird politisch vom Regionalausschuss Finkenwerder betreut.
Neuwerk und Finkenwerder haben einiges gemeinsam, auch wenn sie rund 100 Kilometer voneinander entfernt liegen. Sie sind vom Meer geprägt, haben eine lange See-fahrtstradition, die Menschen haben Jahrhunderte lang gegen Sturmfluten gekämpft.
Die Seefahrt ist auch der Grund, warum Neuwerk zu Hamburg gehört. Schon 1299 erhielt die Hansestadt von den Herzögen von Sachsen-Lauenburg die Erlaubnis, auf der Insel ein „Werk“ zum Schutz der Handelswege nach Hamburg zu bauen. Der 1310 fertig gestellte 39 Meter hohe Wehrturm „Nige Wark“ – seit 1814 zusätzlich mit einem Leuchtfeuer ausgestattet – ist heute das älteste Bauwerk Hamburgs und das letzte Fes-tungsgebäude der Hansestadt.
Seit 1394 wurde Neuwerk vom Amt Ritzebüttel aus regiert – bis 1937 ein Hamburger Außenpos-ten auf dem heutigen Gebiet der Stadt Cuxhaven. Das änderte sich mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937. Cuxhaven und Neuwerk kamen zu Preußen, nach dem Krieg zu Niedersachsen.
Dass Neuwerk heute ein Hamburger Stadtteil ist, liegt an den ursprünglichen Plänen der Hansestadt, an der Nordseeküste einen Tiefwasserhafen zu bauen. Mit dem Cuxhaven-Vertrag von 1969 wurden diese Pläne aufgegeben: Neuwerk gehört seitdem wieder zu Hamburg, das im Tausch seine alten Rechte an Hafenanlagen in Cuxhaven aufgab.
Seit 1990 ist Neuwerk Teil des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer. Pro Jahr kommen rund 120.000 Besucher auf die 3,3 Quadratkilometer große Insel. Dazu gehören auch die Mitglieder des Finkenwerder Regionalausschusses, die sich dort einmal pro Legislaturperiode zu ihrer Sitzung treffen.
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