Mein Baum – Meine Stadt – Eure Werbung

Umweltsenatorin Jutta Blankau (r.) freut sich über die Hilfe von Ute Plambeck (Deutschen Bahn) beim Pflanzen einer Mehlbeere. Im Rahmen der Aktion „Mein Baum - Meine Stadt“ finanziert die Deutsche Bahn 20 Bäume für Neuwiedenthal, wo die private Spendenbereitschaft ziemlich gering war. (Foto: Steffen Kozieraz)

Umweltsenatorin pflanzt Baum in Neuwiedenthal
und erntet Kritik für das Werbebudget der Spendenaktion

von Steffen Kozieraz, Neuwiedenthal
Die große Kampagne „Mein Baum – Meine Stadt“ ist beendet. Die Pflanzung des letzten der 2.500 Bäume ließ sich Stadtentwicklungs- und Umweltsenatorin Jutta Blankau nicht entgehen. So schippte sie fleißig Erde auf die von ihr selbst gespendete Ulme im Neuwiedenthaler Erlenbach 73. Für Blankau ist die Aktion, bei der mit Bürgerspenden Lücken im Straßenbaumbestand geschlossen wurden, ein wichtiger Beitrag für das Hamburger Jahr als Umwelthauptstadt. „Wir haben fast 600 Bäume durch die Spenden hinzubekommen. Das zeigt, dass die Hamburger hinter ihrer Stadt stehen und dass sie Hamburg grün haben wollen,“ resümiert die zufriedene Senatorin.
Schaut man sich die Zahlen einmal genauer an, hält sich die Spendenbereitschaft vor allem südlich der Elbe in Grenzen. Hier wurden nur 49 der 376 Bäume mit der jeweils benötigten 500-Euro-Spende finanziert. Zieht man in Betracht, dass die Stadt pro gespendeten Baum nochmal 500 Euro drauflegt, weil eine Baumpflanzung 1.000 Euro kos-tet, dann sind gerade mal 6,5 Prozent von privater Hand finanziert. In ganz Hamburg beläuft sich dieser Anteil immerhin auf 11 Prozent. Durch zusammengelegte Teilspenden kommen noch mal fünf Bäume hinzu.
Doch warum finanziert Hamburg die Baumpflanzungen nicht – wie alle anderen Städte – komplett selbst? Dazu Jutta Blankau: „Viele Bürger hatten mich immer wieder nach Baumpatenschaften gefragt. Und dadurch, dass die Mittel bei uns knapp sind, fanden wir es eine gute Idee, sie zu beteiligen.“ Die knappe Kasse der Umweltbehörde habe in den letzten Jahren gerade so für die Pflege kranker Bäume gelangt, aber nicht mehr für Neupflanzungen.
Doch: Für ein stattliches Werbebudget von 132.000 Euro für die Aktion war genug Geld da – und damit auch Kritik: „Stellt man Spenden und Marketing gegenüber, fließen von jedem 500-Euro-Bürgerbeitrag pro Baum 225 Euro für Werber, Fotos und Broschüren statt für Ahorn, Buche oder Linde“, schimpft GAL-Fraktionschef Jens Kerstan. Ginge es nach Kerstan, müsste der Senat die Aktion umbenennen: in „Euer Geld – unsere Reklame“.
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