Mehr Bäume, weniger Straßen

600 Bäume sind auf dem Areal der ehemaligen Röttiger-Kaserne bereits gefällt worden. Wie viele folgen müssen, ist noch unklar.

Internationale Bauausstellung (IBA) stellt neue Pläne für ehemalige Röttiger-Kaserne vor

Das auf dem Gelände der Röttiger-Kaserne geplante Neubaugebiet sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Zuletzt hagelte es Kritik von Anwohnern, Naturschützern und Lokalpolitikern für die Pläne der Finanzbehörde, nahezu alle Bäume auf dem Gelände zu fällen, um den Boden nach Kampfmitteln zu untersuchen. Auch die drastische Erhöhung der Wohneinheiten von ursprünglich 450 auf rund 780 ist kontrovers. Jetzt hat die Behörde die Internationale Bauausstellung (IBA) Wilhelmsburg beauftragt, zu prüfen, wie wirtschaftlich die Pläne für das Wohngebiet sind und ob es vermarktet werden kann.
Ihre Veränderungsvorschläge haben IBA-Vertreter vor Kurzem im Stadtplanungsausschuss des Bezirks Harburg vorgestellt. Wichtigster Punkt: Es sollen so wenig Bäume wie möglich gefällt werden. „Wir haben in Abstimmung mit der Feuerwehr ein neues Sondierungskonzept erarbeitet“, erklärt IBA-Projektleiterin Karen Pein. Man wolle Akten wälzen, um mithilfe einer genauen historischen Analyse ausschließen zu können, dass eine Fläche belastet ist. Zudem soll das gesamte Gebiet mit Handsonden untersucht werden. Das sei zwar personal- und zeitaufwendig, jedoch billiger, als das Gelände auf der Suche nach Bomben und Munition mehrere Meter tief umzugraben, wie ursprünglich geplant. „Unser Ziel ist es, günstiger zu werden und einen Großteil der Bäume zu erhalten“, so Pein.
Kosten sparen wollen die IBA-Planer außerdem, indem sie die für Straßen, Wege, Parkplätze vorgesehene Fläche von 65.000 Quadratmetern um 10.000 Quadratmeter reduzieren. Auch das teure Entwässerungssystem mit Gräben neben allen Straßen kommt auf den Prüfstand.
Keine Kritik gab es für die geplanten rund 780 Wohneinheiten und den Mix aus Geschossbau, Einfamilienhäusern und Reihenhäusern. Man wolle die Wohneinheiten lediglich leicht auf rund 800 erhöhen und vor allem anders verteilen. „Wir brauchen gemischte Quartiere“, betont Pein. Beließe man es bei der bisherigen klaren Trennung, drohe eine Ghettoisierung. Deshalb habe man das Gebiet in fünf Baufelder mit allen Wohnformen unterteilt, die nacheinander erschlossen und einfacher vermarktet werden könnten.
Im Stadtplanungsausschuss gab es durch die Bank Lob für die Pläne der IBA. Muammer Kazanci (SPD), Vorsitzender des Ausschusses, spricht von einer deutlichen Verbesserung. „Insbesondere die soziale Durchmischung des Gebietes finden wir sehr positiv“, so Kazanci. Die IBA hat noch bis Ende April Zeit, ihre Pläne zu entwickeln. Sollten sie die Politik überzeugen, wird im Mai oder Juni ein Auftrag der Stadtentwicklungsbehörde folgen. Dann könnten – mit einer Verspätung von etwa einem halben Jahr – frühestens Ende 2014 die ersten Bagger rollen, so Pein.
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