„Man lebt hier wie an der Autobahn“

Ute Pickel, Helga Lindemann, Elfi Peters, Erika Dütsch und Horst Dütsch wünschen sich ein Tempo-30-Limit für den Finkenwerder Norderdeich. Sie ärgern sich über Lkw, die trotz des Verbots die Straße entlang fahren. Allerdings: Lkw über 3,5 Tonen, die zum Beispiel die Rüschhalbinsel beliefern, dürfen durch den Ortskern fahren.
 
Die Ufi leitet den Schwerlastverkehr um Finkenwerder herum und entlastet den Ortskern. Ruhig sei es im stark befahrenen Finkenwerder Norderdeich aber noch immer nicht, bemängeln Anwohner.

Trotz Umgehungsstraße klagen Mieter im Finkenwerder Norderdeich weiter über Verkehrslärm: Nach der Sommerpause will der Regionalausschuss Lösungen suchen

Seit Mitte Dezember 2012 ist sie fertig: Die Umgehungsstraße Finkenwerder (Ufi). Auf die Straße, die den Schwerlastverkehr um das Ortszentrum herum leiten soll, mussten die Bewohner der ehemaligen Elbinsel viele Jahre warten. Die rund 100 Millionen Euro teure Straße sollte die Belastung des Ortskerns durch Lärm und Abgase reduzieren. Sieben Monate nach ihrer Eröffnung ist Horst Dütsch aus dem Finkenwerder Norderdeich 118 enttäuscht: „Es ist fast genauso laut wie früher. Man lebt hier wie an der Autobahn“, sagt der Rentner.
Vor zwei Jahren zog Dütsch gemeinsam mit seiner Frau aus Kirchdorf in den Neubau der Baugenossenschaft Finkenwärder-Hoffnung, der Teil einer Wohnanlage mit 32 Parteien ist. Dütsch: „Damals hat man uns gesagt, wenn die Umgehungsstraße fertig ist, wird es ruhiger. Aber die Straße hat nichts gebracht. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht hergezogen.“
Auch seine Nachbarin Ute Pickel stört der Verkehr. „Auf der Terrasse kann man sich nicht unterhalten. Man versteht sein eigenes Wort nicht“, klagt sie. An Schlafen bei offenem Fenster sei auch nicht zu denken, sagt Kurt Schwenk. Auch er ist vor zwei Jahren in den Neubau gezogen. Besonders nerve ihn, dass nachts und am Wochenende, wenn die Straße frei ist, Auto- und Motorradfahrer aufs Gas drücken. „Das Schlimmste sind die Raser“, sagt Schwenk und fordert: „Die Straße muss beruhigt werden!“
Daran arbeite man bereits, sagt Hartwig Behrens, Regionalbeauftragter für Finkenwerder. Nach der Sommerpause im September will man im Regionalausschuss verschiedene Möglichkeiten prüfen. So könnten die Busbuchten zurückgebaut werden, so dass haltende Busse den Verkehr verlangsamen. Oder man richtet auf der Straße Parkplätze ein. Doch Behrens betont: „Es hat auf jeden Fall eine Entlas-tung stattgefunden. Hier fährt kein Schwerlastverkehr mehr durch.“
Zudem werde auch geprüft, ob es sinnvoll sei, am Norderdeich Tempo 30 einzuführen. Genau das wünschen sich Horst Dütsch und seinen Nachbarn. „Wenn alle langsamer fahren, wäre es automatisch leiser“, sagt Dütsch. Ohne Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei mache die Beschränkung jedoch wenig Sinn. Denn für Busse und Lkw gelte sie bereits. Doch halten würden sich nur die wenigsten daran, berichten die Anwohner.


Umgehungsstraße – Hier hapert es noch:
Peter Dierking ist seit 2001 in der Anwohnerinitiative „Umgehung – jetzt“ aktiv. Jetzt, wo die Ufi fertig ist, wollen sich Dierking und seine Mitstreiter als „Plattform Finkenwerder“ für die Belange ihres Stadtteils einsetzen. Doch auch die Ufi ist und bleibt Thema. Dierking: „Der Verkehr hat zwar erheblich nachgelassen, aber uns stören immer noch Autos, die hier morgens zu Airbus durchfahren. Zwischen 6 und 9 Uhr und zum Schichtwechsel zwischen 16 und 18 Uhr ist es so wie früher.“ Außerdem führen immer noch Lkw durch den Ort. „Das liegt zum einen daran, dass die Umgehungsstraße noch nicht in den Navis eingespeichert ist. Zum anderen ist die Beschilderung schuld“, sagt Dierking. So müsste direkt nach der Autobahn auf die Umgehungsstraße hingewiesen werden und nicht erst – wie zurzeit – vor der Kreuzung, wenn sich viele Fahrer bereits falsch eingeordnet haben und in die Ortsmitte geleitet werden. Hinzu käme, dass sich viele Lkw-Fahrer nicht an an das Tempolimit 30 hielten. „Da der Verkehr weniger geworden ist, können sie schneller fahren und fließen einfach neben den Autos mit. Und die Polizei kontrolliert hier einfach nicht“, kritisiert er.


Wie viele Autos fahren hier?
Auf der Umgehung Finkenwerder (Ufi) wurden nach Angaben der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation am 16. Mai in einem Zeitraum von 24 Stunden rund 13.000 Kraftfahrzeuge gezählt. Im Ortszentrum reduzierte sich gleichzeitig der Verkehr im Vergleich zu einer Zählung vom 20. März 2012, also vor der Eröffnung der Ufi, um rund 5.000 Fahrzeuge. Am Neßdeich wurden etwa 9.300 bis 14.600 Fahrzeuge gezählt, am Finkenwerder Norderdeich waren es etwa 14.100, an der Ostfrieslandstraße etwa 16.200 bis 17.100 und am Aue-Hauptdeich etwa 19.300.
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1 Kommentar
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Pete Pedroo aus Finkenwerder | 09.02.2014 | 15:42  
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