Lebensmittelgeschäft statt Schützenhof?

Familie Cekirdek will Marmstorfer Traditionslokal im Juli schließen

Die Zukunft des Schützenhofs Marmstorf ist besiegelt: „Nach dem Vogelschießen im Juli machen wir dicht“, sagt Hüseyin Cekirdek. Seit 18 Jahren betreibt er das Lokal gemeinsam mit seinen drei Brüdern. Besonders beliebt ist der Schützenhof bei örtlichen Vereinen und Verbänden. Deren Mitglieder treffen sich hier zu Versammlungen, trinken ein, zwei Bier und gehen wieder. Und genau darin liegt das Problem: „Wir haben keine Laufkundschaft, und nur von den Versammlungen der Vereine können wir nicht leben“, klagt Cekirdek. Einen Nachfolger für das Lokal haben die Brüder drei Jahre lang vergeblich gesucht.
„Uns geht eine tolle Gastronomie verloren, und die Vereine sind jetzt erst mal heimatlos“, sagt CDU-Mann und Marmstorfer Rainer Bliefernicht. „Aber der Familie kann man das unter diesen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht vorwerfen.“ Er wohnt neben dem Lokal und freut sich, dass die vier Familien, die den ersten Stock des Schützenhofs bewohnen, ihm zumindest als Nachbarn erhalten bleiben. Die Cekirdeks sind Eigentümer des Gebäudes und planen einen Neubau, in dem sie weiter wohnen werden. „Wir wollen nicht umziehen. Solche tollen Nachbarn wie hier findet man nirgendwo anders“, ist sich Hüseyin Cekirdek sicher.
Seine Pläne für den Bau gehen noch weiter: Das Untergeschoss möchte er an ein Lebensmittelgeschäft vermieten. Vier Unternehmen haben laut Cekirdek bereits Interesse an der Verkaufsfläche signalisiert. So bliebe der Parkplatz erhalten und könnte weiter für das Schützenfest und andere Vereinsaktivitäten genutzt werden.
Ohne Weiteres werden die Cekirdeks diese Pläne jedoch nicht umsetzten können. Ihr Grundstück ist per Bebauungsplan zwar ein sogenanntes Mischgebiet, in dem sowohl Wohnungs- als auch Gewerbebau erlaubt sind, jedoch nur mit Beschränkungen. So darf die Verkaufsfläche 800 Quadratmeter nicht überschreiten. „Das reicht nicht“, sagt Hüseyin Cekirdek. Er will eine größere Fläche durchsetzen. Sollte das nicht klappen, sehen er und seine Brüder sich gezwungen, das Grundstück zu verkaufen. Cekirdek: „Das wäre eine
Katastrophe für alle!“


Darf gebaut werden?
Zurzeit liegt dem Bezirksamt kein Bauantrag für das Gelände vor, sagt Bezirksamtssprecherin Beatrice Göhring. Sollten die Cekirdeks das Gebäude abreißen lassen, könnten an seiner Stelle Wohnungen und Gewerbeflächen für Handel oder Gastronomie mit einer Verkaufsfläche unter 800 Quadratmeter entstehen. Das sieht der Bebauungsplan vor. Göhring: „Über eine Änderung müsste die Bezirksversammlung entscheiden.“ AS
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