Land unter in Süderelbe

Auch der Norderkirchenweg war nur noch mit Gummistiefeln oder mit dem Boot passierbar. (Foto: Kulturkreis Finkenwerder)

Zeitzeugen erinnern sich an die verheerende Sturmflut von 1962

von Annekatrin Buruck, Süderelbe
Diesen Anblick wird Helga Grube ihr Leben lang nicht vergessen. „Das Wasser kam in einem Schwall durch die geschlossene Tür und den Briefkasten“, erzählt die Finkenwerder, die die Sturmflut von 1962 in ihrem Haus am Köterdamm erlebt hat. Tagelang schon hatte das Sturmtief Vincinette über Norddeutschland gewütet. Aber die Menschen waren Sturmfluten gewohnt, niemand machte sich ernsthafte Sorgen - bis es zu spät war.
Am 16. Februar gegen Mitternacht hielten die viel zu schwachen Deiche nicht mehr und brachen an rund 60 Stellen. Bei dem ersten folgenschweren Bruch um 0.15 Uhr im Neuenfelder Rosengarten ertranken acht Menschen. Danach ging es Schlag auf Schlag. In Cranz gab der Elbdeich am Ortsausgang Richtung Borstel nach. „Ein Haus wurde weggespült“, erzählt Jürgen Hoffmann, der damals 30 Jahre alt war.
In Finkenwerder brachen die Deiche gleich an sechs Stellen. „Zweimal am heutigen Aue-Hauptdeich in der Nähe des Storchennestes“, zählt Ortsarchivar Kurt Wagner auf. „Weitere Brüche gab es am Kirchenaußendeichsweg, am Süderdeich und am Westerdeich.“
In Neuenfelde brachen ab 2.15 Uhr mehrere Deiche an der Hasselwerder Straße, wo damals die Hauptdeichlinie verlief. „Neben Bundt’s Gartenres-taurant wurden zwei Häuser weggerissen“, erinnert sich Monika Quast. Nur die Kirche blieb trocken, weil sie auf einer Anhöhe steht. „Dorthin retteten sich Menschen und Vieh“, erzählt Herbert Quast. Dennoch kamen acht Menschen ums Leben.
In Francop gab es mehrere Deichbrüche entlang der Hohenwischer Straße. Jutta Dierks und ihre Familie konnten nur per Hubschrauber vor dem Ertrinken gerettet werden. Zwei andere Menschen in Francop kamen jedoch ums Leben.
Schwer hatte es auch den kleinen Ort Rübke getroffen, der komplett überflutet war. „Hier standen die Häuser bis zum Dach im Wasser“, erzählt Jürgen Hoffmann. Tote hat es aber zum Glück nicht gegeben.
Ganz anders in Moorburg, wo ab 1.45 Uhr die Deiche brachen und neun Menschen ertranken, darunter eine junge Mutter und ihre beiden Kinder. Auch Altenwerder wurde total überflutet – mit Ausnahme der Kirchenwarft, die ein wenig höher lag. Hamburgs jetzige Bausenatorin Jutta Blankau erlebte die Flut als Kind in Altenwerder mit.
Für einen Ort bedeutete die Sturmflut jedoch das Aus: Waltershof. Dort lebten seit dem Krieg viele Menschen noch in Behelfsheimen. Sie hatten keine Chancen, als der Deich brach: 36 Menschen kamen ums Leben. Waltershof ist heute Hafengebiet.
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