Land unter in Cranz

Am Abend des 25. Juni stieg die Este auf 2,89 Meter über Normalnull und überflutete unter anderem den Parkplatz am Fähranleger Cranz. (Foto: Günter Piehl)

Estesperrwerk bleibt bei Hochwasser offen, Este tritt über die Ufer

Damit hat in Cranz niemand gerechnet: Am Abend des 25. Juni stieg die Este während eines Sommerhochwassers auf 2,89 Meter über Normalnull und trat über die Ufer. Wassermassen aus der Elbe strömten durch das offene Estesperrwerk ungehindert in den Nebenfluss. Die Folgen: Im Estedeich lief ein Keller voll, Anleger und Parkplatz des Alten Fährhauses standen unter Wasser und Felder wurden überflutet.
Doch warum ließ die zuständige Hamburg Port Authority (HPA) das äußere Flutschutztor des Sperrwerks – das innere ist nach einer Havarie im Dezember noch bis September in Reparatur – nicht schließen? HPA-Sprecher Alexander Schwertner erklärt: „Störende Sedimentablagerungen hatten sich Tage zuvor im Schwenkbereich der Tore abgelagert. Die nötigen Baggerarbeiten waren noch nicht abgeschlossen.“ Das Risiko, das verbliebene Torpaar zu beschädigen, hätte man nicht eingehen wollen. Mit dieser Erklärung lässt sich Boy Friedrich vom Arbeitskreis Cranz nicht abspeisen. „Die HPA hat uns versichert, das Tor habe VIP-Status und werde zu jeder Zeit betriebsbereit gehalten“, ärgert er sich.
Zwei Wochen nach dem Vorfall sitzt der Schrecken den Cranzern immer noch in den Knochen. „Besonders bei den Älteren wurden schlimme Erinnerungen an die Flut von 1962 wach“, sagt Friedrich. Er wirft der HPA vor, versagt zu haben. „Sobald das Wasser auf 2,80 über Normalnull steigt, muss sie dafür sorgen, dass das Estesperrwerk geschlossen wird!“, so der Cranzer wütend.
Thor Marquardt ist das Vorgehen der HPA „völlig unverständlich“. Der Hafenlotse hatte am 25. Juni schon im Laufe des Tages die Hochwassermeldungen verfolgt und war davon ausgegangen, das Sperrwerk werde geschossen. Nach einem Anruf seiner Freundin fiel er aus allen Wolken. „Sie war besorgt, weil das Wasser ungewöhnlich hoch stand und das Sperrwerk offen blieb“, erzählt der Cranzer. Als Marquardt gegen 22 Uhr von der Arbeit kam, stand der Keller seiner Nachbarn bereits unter Wasser. Sein Vorwurf: „Die HPA hätte uns warnen müssen!“
Warum das nicht geschehen sei, erklärt Schwertner so: „Dass der Wasserstand 2,80 Meter überschreiten würde, war im Vorfeld nicht abzusehen, da der angekündigte Wasserstand unter dieser Marke lag.“ Als schließlich klar wurde, dass das Wasser höher stiege, sei es zu spät gewesen, die Anlieger zu informieren. Schwertner: „Diese Fehleinschätzung bedauern wir.“ Zukünftig werde man entsprechend vorwarnen. Zudem behalte die Flutsicherung an der Este weiter höchste Priorität. „Trotz der regelmäßigen Baggerungen im Sperrwerksbereich können wir aber nicht vollständig ausschließen, dass erneut Sedimente in das Sperrwerk eingetragen werden“, so Schwertner.
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