Kurdische Aktivisten entführen Hadag-Fähre

Einzeln wurden die Entführer von der Polizei aus der Fähre abgeführt und in einen Gefangenentransporter verfrachtet. (Foto: Annekatrin Buruck)

Großeinsatz vor Finkenwerder: Wasserschutzpolizei rettet 79 Passagiere von der „Elbmeile“

von Annekatrin Buruck, Finkenwerder
Diese Ausflugsfahrt auf der Elbe wird Heinz Schulz so bald nicht vergessen. Zusammen mit einem Bekannten war der Hamburg-Besucher am Donnerstag, 19. April, auf der Hadag-Fähre „Elbmeile“ der Linie 62 unterwegs, als um 17.25 Uhr kurz vor Finkenwerder eine Gruppe junger Männer und Frauen das Führerhaus des Kapitäns betrat und sich mit ihm zusammen einschloss. „Wir haben zuerst gar nicht wirklich verstanden, was da passiert“, erzählt Schulz.
Dass es sich um eine Schiffsentführung handelte, merkten die 79 Passagiere erst, als die Fähre führerlos auf der Elbe trieb. Die acht jungen Aktivisten der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hatten den Kapitän vom Ruder weggedrängt und ihm verboten, in Finkenwerder anzulanden. Ein anderes Ziel hatten sie jedoch auch nicht vorgegeben. „Sie riefen irgendwelche Parolen und wetterten gegen die deutsche Justiz“, berichtet Heinz Schulz, als er wieder heil an Land ist. „Sie forderten per Lautsprecher die Freilassung des inhaftierten Kurdenführers Abdullah Öcalans und weiterer kurdischer Gefangener“, präzisiert Andreas Schöpflin, Pressesprecher der Hamburger Polizei. An der Brücke der „Elbmeile“ hatten die PKK-Rebellen zudem ein Bild Öcalans angebracht.
Einen konkreten Plan für weitere Aktionen hatten die jungen Kurden aber anscheinend nicht. So schnell wie der Spuk begonnen hatte, war er auch wieder vorüber. Der Kapitän hatte noch schnell einen Notruf absetzen können; auch einige Passagiere hatten über ihre Handys die Polizei alarmiert.
Kurze Zeit später gingen zwei Boote der Wasserschutzpolizei an der Fähre längsseits, darunter das größte Streifenboot, die MS „Bürgermeister Weichmann“. Die Polizeibeamten enterten das Schiff und drangen in das Führerhaus ein. Die Entführer ergaben sich ohne Widerstand – bewaffnet waren sie nicht. Unterdessen stiegen die Passagiere auf die „Bürgermeister Weichmann“ um und wurden am Anleger Finkenwerder an Land gebracht. Verletzt wurde niemand.
Die jungen Entführer – fünf Männer und vier Frauen im Alter zwischen 16 und 26, darunter sechs Türken und drei Deutschtürken – wurden zum Verhör ins Polizeipräsidium nach Winterhude gebracht. Inzwischen sind alle jedoch wieder auf freiem Fuß. Gegen sie wird aber wegen des Verdachts der Nötigung sowie des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt.
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