Kinder ließen ihre Schiffchen schwimmen

Bis zum Lichtschalter stand das Wasser im Haus von Emmi und Ernst Kuhn am Carsten-Fock-Weg. Und das, obwohl bei ihr das Erdgeschoss – wie bei vielen Häusern in Finkenwerder – erst in rund zwei Metern Höhe anfängt. (Foto: Annekatrin Buruck)

Noch Tage nach der Flutnacht stand das Wasser in Finkenwerder

von Annekatrin Buruck, Finkenwerder
Dat Woter kommt, dat Woter kommt.“ Mit diesem Ruf wurden Emmi Kuhn und ihr Mann in der Nacht zum Sonnabend, 17. Februar 1962 aus dem Bett geholt. „Unser Nachbar, ein früherer Polizist, hat uns alle alarmiert“, erinnert sich die 82-jährige, die in Finkenwerder am Carsten-Fock-Weg wohnt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich alle in Sicherheit gewiegt, obwohl der Sturm schon seit Tagen tobte und orgelte. „Es war wie der Weltuntergang.“ In der Nacht ging dann plötzlich alles ganz schnell. Die Kirchenglocken begannen um 23.30 Uhr zu läuten, „und innerhalb einer halben Stunde war Finkenwerder voll gelaufen“, so Emmi Kuhn. Sie und ihr Mann, sowie die Mieter in der oberen Wohnung, schleppten Essen und Kleidung in den ersten Stock. „Ernst und Paul standen dabei schon bis zum Bauch im Wasser“, erinnert sich Emmi Kuhn. Neben Essbarem hatten die beiden auch eine Flasche Rum gerettet, die ihnen über die ungemütliche Nacht hinweghalf.
Das Wasser kam von zwei Seiten: Einmal von den beiden Deichbrüchen am Auedeich, dann aber auch aus Richtung Landscheideweg. „Dort gab es damals noch eine Bahnstrecke“, erzählt Kuhn, „der Bahndamm wurde völlig unterspült.“
Am nächsten Morgen kamen die Auszubildenden der Seemannsschule und ein Polizist mit dem Boot vorbei und fragten, ob es Verletzte gäbe. „Später kamen noch Sturmboote und Hubschrauber der Bundeswehr“, ergänzt Emmi Kuhn. Bei der ehemaligen Gastwirtschaft Schwartau am Süderdeich konnten sie landen.
Erst am nächsten Dienstag war das Wasser wieder abgeflossen und das große Aufräumen begann. Nur die Kinder hatten trotz allem Spaß. „Sie haben von der Treppe aus ihre Plastikschiffe schwimmen gelassen“, erinnert sich Kuhn.
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