Keine Wohnung, weil er kein Deutsch kann?

Mehmet Dimicigil (78, r.) braucht dringend eine Wohnung. Seine Nichte Sirun Klüver und ihr Mann Jens haben schon alles versucht, aber es klappt nicht. Nur, weil der Armenier kein Deutsch kann? (Foto: klüver)

Absagen von SAGA und VHW für 78-jährigen Armenier

von Christopher v. Savigny, Neuwiedenthal - Wer als älterer Ausländer von Sozialhilfe lebt, hat es bei der Wohnungssuche oft doppelt schwer: Mehmet Dimicigil (78), Armenier, ist seit Anfang 2013 auf der Suche nach einer Bleibe – bislang ohne Erfolg. Noch nicht einmal die Hamburger Wohnungsunternehmen SAGA und VHW wollten Dimicigil als Mieter haben. „Man hat ihn abgelehnt, weil er kein Deutsch spricht“, berichtet Jens Klüver, Ehemann von Dimicigils Nichte. „Ich finde das diskriminierend!“
Zu den Fakten: Im März 2013 bewarb sich Dimicigil nach Aussage seiner Verwandten um ein Appartement der VHW (Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft) in der Neugrabener Bahnhofstraße. Ein weiteres Mal vor wenigen Tagen bei der SAGA/GWG (Siedlungs- und Aktiengesellschaft Altona). Diesmal lag die Wohnung im Striepenweg.
Die Antwort sei jedoch in beiden Fällen die gleiche gewesen: „Die haben uns gesagt, wenn er mal Hilfe braucht, kann er sich nicht bemerkbar machen“, berichtet Klüver. Dabei hätten beide Wohnungen optimal für den älteren Herrn gepasst. „Auch das Sozialamt hatte schon grünes Licht gegeben“, ärgert sich Klüver.
Diesen Vorwurf wollen die beiden Wohnungsunternehmen nicht gelten lassen: „Dass alleine fehlende Deutschkenntnisse den Ausschlag gegeben haben, greift hier viel zu kurz“, sagt SAGA-Sprecher Michael Ahrens. Bedenken beim Besichtigungstermin habe es allerdings gegeben: „Weder die SAGA/GWG noch die Verantwortlichen der Wohnanlage hatten den Eindruck, dass Herr Dimicigil körperlich wie geistig in der Lage wäre, dort alleine zu wohnen.“
Bei der VHW ist der Fall Dimicigil hingegen nicht bekannt: „Zu dem Herrn liegen uns keine Bewerbungsunterlagen vor“, erklärt Unternehmenssprecherin Annika Patzelt. Generell seien mangelnde Deutschkenntnisse jedoch nie ein Ausschlusskriterium bei der Vergabe einer Wohnung. „Im Gegenteil“, so Patzelt. „Wenn man zusammen wohnt, kann man doch seine Sprachkenntnisse verbessern!“
Nach Auskunft Klüvers ist Dimicigil sowohl geistig als auch körperlich fit genug, um alleine zurechtzukommen. Nach dem Tod seiner Frau lebt er zurzeit mit dem jüngeren Paar zusammen in einer beengten Wohnung in Neuwiedenthal. „Aufgrund der Situation ist unsere Beziehung extrem angespannt“, sagt Klüver.
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