Kein Anschluss, aber dennoch Rechnungen

Karin Beron zieht nach viermonatigem Streit den Schlussstrich: Die offenen Rechnungen und Mahnungen der Telekom sind hinfällig. (Foto: Andreas Tsilis)

Nervenkrieg um ISDN-Anlage in Neuenfelde: Telekom ignoriert monatelang fristlose Kündigung

von Andreas Tsilis, Neuenfelde
Karin Christiane Beron ist mit ihren Nerven am Ende. Seit vier Monaten erhält die Neuenfelderin Rechnungen und Mahnungen der Telekom für einen ISDN-Anschluss, den es gar nicht mehr gibt. Exakt 140,71 Euro soll sie an den Bonner Telekommunikationsriesen zahlen, der mittlerweile schriftlich angedroht hat, „bei Nichtzahlung der Grundgebühren den Anschluss fristlos zu kündigen“.
Zum Hintergrund: Bereits kurz nach dem Abschluss eines ISDN- Vertrages im April 2011 stürzt Berons Telefonanlage regelmäßig ab. In den darauf folgenden vier Monaten setzt sie sich über zwanzig Mal erfolglos mit Mitarbeitern in Servicehotline, Störungsstelle, Rechnungsabteilung und Buchhaltung auseinander. Beron: „Keiner konnte mir weiterhelfen, obendrein galt ich als ,nervige Kundin’ und ,Meckerziege’.“ Schließlich zieht die resolute 60-jährige Konsequenzen und kündigt den Vertrag am 20. August 2011 fristlos. „Vier Tage später hab ich dann eine Kündigungsbestätigung erhalten“, berichtet sie. Die Rechnungen und Mahnungen kamen trotzdem.
Ist der Vertrag nun wirksam gekündigt oder nicht? Telekom-Sprecher Michael Böhnke vermutet: „Möglicherweise ist eine Mindestvertragslaufzeit nicht eingehalten worden.“ Er wolle das prüfen lassen.
Bei der Verbraucherzentrale Hamburg erlebt man immer wieder Fälle, in denen eine fristlose Kündigung von Telekommunikationsverträgen zum Streitpunkt wird. „Man muss sehr genau gucken, ob der Fehler so schwer wiegt, dass ein Festhalten am Vertrag unzumutbar ist, hilfreich ist dabei ein Störungsprotokoll“, erklärt Edda Castello von der Verbraucherzentrale. Tatsache ist: Karin Beron hat kein Störungsprotokoll erstellt, und ihre Unterlagen über die Kündigungsbestätigung sind nicht mehr vorhanden. Ebenso steht aber auch fest: Geprüft wurde reichlich in den letzten Monaten und die schwerkranke Beron möchte endlich zur Ruhe kommen. „Ich fühle mich dem Ganzen mittlerweile hilflos ausgeliefert und überlege, einen Anwalt einzuschalten“, erklärt sie.
Vor ein paar Tagen kommt dann die überraschende Kehrtwende. „Wir verzichten aus Kulanz auf unsere Forderungen für erbrachte Leistungen. Der Anschluss wurde wie gewünscht rückwirkend gekündigt“, heißt es dazu knapp aus der Presseabteilung. Ob die Wirksamkeit der fristlosen Kündigung nicht bereits schon im August 2011 bestätigt worden ist, war von der Telekom nicht zu erfahren.
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