Katastrophenübung mit Schwachstellen

Eingeklemmt im Auto warten freiwillige Darsteller nach dem Flugzeugabsturz auf Hilfe. (Foto: Sabine Langner)

Im Binnenhafen wurde der Ernstfall geprobt – mit einigen Pannen

von Sabine Langner, Harburg
Blutüberströmte Menschen irren zwischen Trümmern umher. Sie schreien verzweifelt, während um sie herum Flammen aus brennenden Autos schlagen und dicke Qualmwolken die Sicht erschweren. Hoch zufrieden betrachtet die Einsatzleitung dieses Szenario. 15 Monate lang hat die Hamburger Innenbehörde zusammen mit der Polizei, der Feuerwehr und zahlreichen Hilfsorganisationen eine der größten Katastrophenübungen der letzten Jahre in Hamburg geplant. An fünf Standorten, darunter auch am Harburger Hafen, probten am Wochenende gut 1.600 Menschen den Ernstfall.
Die Ausgangslage für die Ka-tastrophenübung war eine Flugzeugkollision zwischen einem Airbus und einem Kleinflugzeug in 2.000 Metern Höhe. Der Airbus schafft es gerade noch bis nach Finkenwerder und legt dort eine Bruchlandung hin. Das mit 70 Menschen besetzte Kleinflugzeug stürzt auf einen gut besuchten Wochenmarkt, der in diesem Fall auf der Brachfläche zwischen dem Schellerdamm und dem östlichen Bahnhofskanal im Binnenhafen liegt, und explodiert.
Um die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten, haben Einsatzleiter René Wilken vom Technischen Hilfswerk (THW) und seine Mitstreiter keine Idee ausgelassen: Ein voll besetzter Linienbus stößt mit einem Pkw zusammen. Die Fahrgäste müssen die Scheiben einschlagen und mit Leitern aus dem Bus befreit werden. Direkt an der Wasserkante hängt ein Verletzter in einem Baum fest und soll vom DLRG mühsam herausgeschnitten werden. Die Schwerverletzten werden in das Allgemeine Krankenhaus Altona gebracht. Eine Einheit der Bundeswehr richtet in Wilhelmsburg ein Notlazarett für rund 250 Verletzte ein. Auf dem Flughafen in Fuhlsbüttel verschwindet eine Linienmaschine von der Anzeigentafel und rund 20 Angehörige müssen eingesammelt und psychologisch betreut werden. Jede Menge Arbeit für die überwiegend ehrenamtlichen Helfer der verschiedenen Hilfsorganisationen. Dass dabei nicht alles klappt, freut René Wilken. „Mir ist eine Übung lieber, bei der ich Schwachstellen sehe, als ein Ernstfall, bei dem nichts klappt. Genau dafür sind doch Übungen da“, sagt er.
Eine genaue Auswertung der Übung inklusiver der Schwachstellen will die Innenbehörde in den nächsten Wochen bekannt geben.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.