Kasernenhäuser sollen Denkmäler werden

Die Gebäude wurden Ende der 1930er Jahre aus dem Boden gestampft. Die Behörde lehnte es bereits ab, sie unter Denkmalschutz zu stellen. Aber: Denkmalgeschützte Häuser brächten steuerliche Vorteile für den Investor. (Foto: mag)

Einzigartig sind sie zwar nicht, aber der Denkmalschutz brächte steuerliche Vorteile für den Investor

Andreas Göhring, Fischbek - Mehr als zehn Jahre nach dem letzten Zapfenstreich in der Fischbeker Röttiger-Kaserne sollen die verbliebenen Hochbauten unter Denkmalschutz gestellt werden. Das hat die Große Koalition aus SPD und CDU in der Bezirksversammlung Harburg jetzt beantragt. Offizielle Begründung: Es gebe ein „öffentliches Interesse“ am Erhalt des Gebäudeensembles, „das einen Denkmalwert darstellt“.
Die Einschätzung überrascht. Offenbar hatte es das Denkmalschutzamt der Kulturbehörde schon mal abgelehnt, die Kasernen-Altbauten unter Denkmalschutz zu stellen. In der Denkmalliste sind sie jedenfalls nicht enthalten. Die Gebäude sind Ende der 1930er-Jahre entstanden, als Hitler zur Vorbereitung des Kriegs überall in Deutschland Kasernen aus dem Boden stampfen ließ. Auf Architektur legte man keinen großen Wert, die Kasernen wurden nach einem Grundmuster gebaut, das auf die Kaiserzeit zurückging. Einzigartig sind diese Bauwerke sicher nicht.
Da die Politik fast zehn Jahre über die Nutzung der Gebäude stritt und sich nicht einmal darüber einigen konnte, ob sie komplett abgerissen werden, blieben die Gebäude weitgehend sich selbst überlassen. Was ihnen nicht gut bekam: Immer wieder drangen „Wertstoff-Liebhaber“ ein und ließen alles mitgehen, was nicht niet- und nagelfest war.

Denkmalschutz bringt steuerliche Vorteile

Zunächst hatten die Stadtplaner die Idee, in den Kasernengebäuden Gewerbe unterzubringen – auch als Abschirmung zur Cuxhavener Straße. Es fanden sich aber kaum Interessenten. Dann tauchte plötzlich ein Investor auf, der die Gebäude kaufte und ankündigte, sie für den Bau von bis zu 150 Wohnungen zu nutzen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende

Jürgen Heimath: „Inzwischen hat sich herausgestellt, dass sich das wirtschaftlich nicht rechnet.“ Der Lärmschutz für das Wohnen an einer der meist befahrenen Straßen Hamburgs sei sehr aufwändig, außerdem müssten alle Versorgungsleitungen neu verlegt werden.
Deshalb will die große Koalition den Investor mit ihrem Antrag unterstützen. Werden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, kann er den Umbau bei der Steuererklärung geltend machen.
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