„Kaputtmachen bringt immer Spaß!“

Die Hydraulikschere sieht aus wie ein riesiger Dosenöffner. Heiko Miersen zerlegt damit Stahl. Foto: tsi

Heiko Miersen ist Schrotthändler aus Leidenschaft –
oft nimmt er Schiffe auseinander

Von Andreas Tsilis.
Heiko Miersen ist Dachdecker, doch viel lieber nimmt er Eisen mit Hydraulikschere und Schweißbrenner auseinander. „Kaputtmachen macht immer Spaß“, sagt Miersen, der seine Berufung im Handel mit Schrott gefunden hat. „Für diesen Job wurde ich geboren“, erklärt er leidenschaftlich, und behauptet: „Haben wir als Kinder nicht alle gern bunte Bauklötze gestapelt, einen unteren herausgezogen und mit Begeisterung alles einstürzen lassen?“
Davon ist der gestandene Unternehmer auch heute gar nicht so weit weg. Statt Holzpielzeug sind es nun allerdings Containerbrücken, Bagger, Mähdrescher, Bojen, Schwimmpontons oder bis zu 120 Meter lange Schiffe, denen der Schrotthändler und seine fünf Mitarbeiter den Rest geben. Manch Stahlbauwerk ist innerhalb von Stunden oder Tagen zerlegt, bei einem ausrangierten 3.000 Tonnen Eimerkettenbagger kann es dagegen bis zu drei Monate dauern.
„Unterm Strich rechnet sich der Job. Millionär mit Schrott wird man zwar nicht“, sagt Miersen, „aber solange die Welt noch gierig auf Stahl ist, boomt der Handel mit Altmetall.“ 27 Jahre macht Miersen schon in Schrott. Früher holte er sich das Zeug mit purer Muskelkraft von den Baustellen, „sechs Tonnen die Woche“. Heute schafft jeder Lkw locker das Doppelte, und der Schrott wird zu Miersen über die Elbe gebracht.

Rostige Seemannsfigur
als Wegweiser

Noch heute schwärmt er von den „Goldenen Zeiten“, als Schiffseigner Kohle fürs Ab-wracken ihrer alten Pötte bekamen. In Miersens Kanal stapelten sich die Schiffe in Massen, so dass von der Natur ringsherum kaum noch was zu sehen war. „Wir kamen mit den Aufträgen nicht hinterher“, erinnert sich Miersen. Tagsüber wurde aus den Schiffsleichen „Kleinholz“ gemacht, über Nacht brachten Schipper weiteren Nachschub.
Allerdings läßt sich nicht alles auf seinem Abwrackplatz an der Moorburger Schanze zerlegen, des öfteren fährt er raus, um den Job vor Ort zu erledigen. „So kommt man rum“, lacht Miersen. So skurill wie die Dinge, die Miersen täglich recycelt, ist auch die Gegend, wo er zu finden ist: Im hintersten Winkel, umgeben von Flutschutzmauer und inmitten verwildeter Natur, steht urplötzlich eine rostige Seemannfigur auf einem verrosten Schiffbug und weist den Weg zu Miersen. Dort wo Miersen Industriegeschichte rückabwickelt, ist die Zeit stehengeblieben.
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