Jahrmärkte in Gefahr

Seit 1950 ist Helmut Richters Schausteller. Das Kinderkarussell betreibt jetzt zwar sein Sohn, aber der Senior ist immer noch dabei. (Foto: Annekatrin Buruck)

Bezirk Mitte will Karkmess und Herbstmarkt in Finkenwerder nicht mehr organisieren

von Annekatrin Buruck, Finkenwerder
Finkenwerder ohne Karkmess? Das kann sich auf der ehemaligen Elbinsel keiner vorstellen. Und doch droht dem beliebten Volksfest jetzt Gefahr. Der Bezirk Mitte, bisher Veranstalter der Karkmess und des Finkenwerder Herbstmarktes, will sich aus der Organisation zurückziehen – aus Geldmangel. „Es handelt sich bei den Jahrmärkten um eine freiwillige Aufgabe der Verwaltung“, erklärt Hartwig Behrens, Regionalbeauftragter für Finkenwerder.
Bisher legt das Amt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt die Termine der Veranstaltungen fest, sichtet die Bewerbungen der Schausteller, schreibt Zulassungsbescheide und Gebührenrechnungen. Außerdem „sorgt es für sanitäre Einrichtungen, Strom, Wasser, Müllabfuhr und Platzreinigung“, heißt es in einer Mitteilung des Amtes.
Das sieht Helmut Richters etwas anders. Der 86-jährige ist seit 1950 Schausteller. Auf der Karkmess und dem Herbstmarkt ist er mit Kinderkarussell und Schießbude vertreten. „Die Stadt vermietet uns den Platz, dafür zahlen wir eine Gebühr“, erklärt er. Darin enthalten sind Wasser, Abwasser, Müll und Platzreinigung. Strom zahlen die Schausteller selbst, je nach Verbrauch. „Und den Toilettenwagen bringen die Betreiber der Bierstände mit“, ergänzt der Schausteller. Auch die Platzaufsicht hat Richters übernommen. „Vom Bezirksamt kommt nur einer kurz mal gucken.“
Kai Külper vom Arbeitskreis Karkmess sieht die tatsächlichen Leistungen der Verwaltung ebenfalls kritisch. „Ich habe jedes Jahr einen Aufbauplan ans Bezirksamt geschickt“, erklärt er, „das war’s dann auch schon.“
Jetzt möchten die CDU-Regionalausschuss-Mitglieder Matthias Lloyd und Hans Gelien vom Bezirk wissen, wie viel die Organisation der Jahrmärkte genau kostet und wie viel Geld aus Standgebühren wieder hereinkommt. Eine Antwort steht bisher noch aus.
Wie es weiter gehen soll, wollen die Organisatoren der Jahrmärkte bald klären. Nach Auffassung des Bezirksamts sollen private Veranstalter in die Bresche springen. „Auf jeden Fall wird es teurer“, ist sich Helmut Richters sicher. „Aber wir wollen alles tun, um Karkmess und Herbstmarkt zu erhalten“, gibt sich Kai Külper kämpferisch.
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