Ist das Kunst oder doch nützlich?

Auf weißem Untergrund sind Noppen oder Rillen entlang des Gehweges angebracht. Für Blinde und stark sehbehinderte Menschen sind sie Orientierungshilfen. So können sie sich ohne fremde Hilfe in der Stadt bewegen. (Foto: Montage: ki/Fotos: ki/panthermedia)

Auf den Gehsteigen entlang des Striepenweges gibt es weiße Noppen und Rillen zur Orientierung für Sehbehinderte

Neuwiedenthal - Richtig chic und adrett sehen sie aus: die neuen Radfahr- und Gehwege entlang des Striepenweges. Aber warum sind nach der Neugestaltung für 298.000 Euro an einigen Stellen weiße Platten mit Noppen und Rillen?
„So was blödes! Soll ich jetzt vielleicht meinen Rolllator drüber heben? Wie soll ich das denn machen?“, beschwert sich eine ältere Dame lautstark am Fußgängerüberweg vor dem Discounter. Sie will auf die andere Straßenseite zur S-Bahn, kann mit ihrem Gefährt aber nicht problemlos über die weißen Noppen im Gehweg rollen.
Also stößt sie mit steigendem Unmut ihren Gehwagen so lange über die Noppen, bis er endlich auf dem Radweg ist. Ein paar Schritte, dann das selbe Manöver nochmal. Weiter gehts zum Überweg. Dort sind zwar wieder Noppen, aber ihr bleibt das „Drüberwuchten“ erspart. Der Gehweg ist zur Straße hin abgesenkt. Sie kommt problemlos auf den Zebrastreifen und über die Straße.

Noppen sind Trennungen, Rillen Leitysteme

„Die Noppen sind ganz bewusst dorthin gesetzt worden. Sie erleichtern stark Sehbehinderten und Blinden die Orientierung“, erklärt Andreas Schmelt. „Sowohl die Noppen als auch die Rillen sind so genannte Bodenindikatoren“, erläutert der Erste Vorsitzende der Behindertenarbeitsgemeinschaft Harburg. „Mit dem Langstock sind sie gut zu fühlen.“ So können sich Menschen, die Probleme mit dem Sehen haben, ohne fremde Hilfe zurecht finden.
Und so funktionierts: Die Noppen trennen den Rad- vom Fußgängerweg. „So wissen die Sehbehinderten und Blinden: `Vorsicht, hier ist ein Radweg!´ und laufen nicht unbeabsichtigt Radfahrern in die Quere. Aber auch für Radler ist die Abtrennung gut: Sie merken es ganz schnell, wenn sie vom Radweg abkommen.“
Die Rillen sind ein Leitsystem zum Fußgängerüberweg. Deshalb sind in Höhe des Discounters als auch vor dem S-Bahntunnel quer über dem Gehweg weiße Rillenplatten angebracht. Sie signalisieren: Wer den Rillen folgt, kommt zum Überweg. „Die Rillen sind so breit, dass Frauen in Stilettos nicht hängen bleiben können“, weiß Schmelt.
Übrigens: Wäre die Dame mit dem Rollator ein paar Schritte weiter zu den Platten mit den Rillen gegangen, wäre sie problemlos mit ihrem Rollator über die Straße gekommen.
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