Immer mehr Vereine und Geschäfte verschwinden

Im Süderelbe Einkaufszentrum: Anneliese Bühnen (62) und ihre Vereinskollegen des Neu-Fischbek e.V. sorgen an diesem Freitagvormittag für den einzigen Betrieb im Eiscafé „Veneto“. Während sie über das sterbende Vereinsleben im Stadtteil klagt, liefert das halb verwaiste SEZ das passende Ambiente. (Foto: Steffen Kozieraz)

Aus der Reihe: Menschen erzählen, wie es sich hier leben lässt

von Steffen Kozieraz, Neugraben-Fischbek
Im Eiscafé „Veneto“ im Süderelbe Einkaufszentrum sind nur wenige Tische besetzt. An einem sitzt Anneliese Bühnen, die vor 40 Jahren in ein Fischbeker Reihenhaus zog. „Wir haben die schöne Heide vor der Nase und ich gehe dort gerne mit meinem Mann spazieren,“ erzählt die 62-Jährige.
Doch während die Heidelandschaft nach wie vor schön ist, habe sich Neugraben-Fischbek leider zu seinen Ungunsten verändert. „Das Vereinsleben stirbt mit den alten Leuten aus. Denn die jungen Leute bekommst du nur schwer zu Veranstaltungen,“ berichtet die ehemalige Vorsitzende der Interessengemeinschaft Neu-Fischbek. Als beispielsweise um den Fischbeker Schützenverein herum eine Wohnsiedlung entstand, seien den Anwohnern die Vereinsfeiern zu laut geworden. „Das kann ich nicht nachvollziehen. Dadurch geht doch das Vereinsleben tot,“ so die gesellige „Neu-Fischbekerin“ der ersten Generation.
Neben dem einst lebendigen Vereinsleben vermisst die Rentnerin auch die vielen alteingesessenen Geschäfte: „Einer nach dem anderen musste dichtmachen – zuletzt Gallus Moden. Die Mischung der Geschäfte stimmt nicht mehr,“ klagt die Rentnerin. Es fehlen in Neugraben Läden für junge Leute. Aber auch welche, mit höherwertigen Waren für die Älteren. „Ich kann doch nicht nur in Ein-Euro-Shops einkaufen,“ bringt es Anneliese Bühnen auf den Punkt. Zum Schuhekaufen und Shoppen mit etwas Flair müsse sie nach Harburg oder ins Umland fahren.
Zu den neuen Bebauungsplänen der ehemaligen Röttiger-Kaserne, wo nun über 700 statt der vorher geplanten 400 Wohneinheiten entstehen sollen, hat die kritische Rentnerin eine klare Meinung: „Jetzt will die SPD noch mehr Wohnungen. Das ist schlecht. Da bekommst du ein zweites Sandbek!“ Überhaupt findet sie, dass ihr Stadtteil vom Hamburger Senat benachteiligt werde und auch nicht wirklich zur Hansestadt gehöre. „Hamburg setzt uns hier neue Wohnungen vor die Nase. Aber wer kommt da rein?“, fragt die Fischbekerin und befürchtet, dass dort mehr sozial Schwache angesiedelt werden, als für die Region gut ist.
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