„Ich sehe schwarz für den Stadtteil“

Catherine Bartl vom Jugendcafé Neuwiedenthal kritisiert die geplanten Einsparungen: „An diesem Topf wird immer wieder gegraben. Dabei sind wir in der Kinder- und Jugendarbeit vor allem im Bezirk Harburg jetzt schon sehr schlecht ausgestattet.“
 
Mohammad (17, l.) und Kosta (17) kommen häufig ins Jugendcafé. „Alle meine Freunde sind hier. Ich hab hier Spaß“, sagt Mohammad, der mit seinen Eltern und sechs Geschwistern in Neuwiedenthal lebt. „Es ist ein bisschen anders als Zuhause.“

Senat plant Ausgaben für Kinder- und Jugendarbeit um zehn Prozent zu kürzen – auch Jugendcafé Neuwiedenthal könnte betroffen sein

Die Controller fest umklammert, schauen Mohammad (17) und Kosta (17) gebannt auf die Leinwand vor ihnen. Ruhe haben die beiden nicht dabei, denn hinter ihnen fiebern ihre Freunde lauthals mit. Heute wird im Jugendcafé Neuwiedenthal Fußball gespielt, aber nicht auf dem Platz, sondern per Playstation. „Die haben wir uns für das Fifa-Turnier extra ausgeliehen. Ein eigenes Gerät können wir uns gar nicht leisten“, sagt Catherine Bartl. Schon bald könnte die Einrichtung den Gürtel noch enger schnallen müssen, denn der Hamburger Senat plant 2013 seine Ausgaben für Kinder- und Jugendarbeit um zehn Prozent auf 30 Millionen zu kürzen.
Bartl ist eine von zwei hauptamtlichen Sozialpädagogen, die das Jugendcafé mit Hilfe von Honorarkräften betreiben. Vier Mal die Woche öffnet die Einrichtung auf dem Skateplatz am Rehrstieg von 14 bis 20 Uhr ihre Türen. „Wir haben als einzige in Süderelbe auch sonntags auf“, so Bertl. Das sei wichtig, denn besonders am Sonntag, wenn die ganze Familie Zuhause ist, sei das Konfliktpotenzial im Stadtteil am größten.
Für die bis zu 50 Jugendlichen, die täglich ins Jugendcafé kommen, sind alle Angebote kostenlos. Der Träger der Einrichtung, der Förderverein Neuwiedenthal, bekommt jährlich 108.835 Euro vom Bezirk für den Betrieb. „Das ist ein guter Basissatz. Aber ohne Drittmittel könnten wir nicht überleben“, erklärt Bartl. Für alle weiteren Angebote, wie die Jobbörse oder die mobile Suchtberatung, müssen Spenden gesucht werden – insgesamt 40.000 Euro im Jahr. Setzt der Senat die Kürzungen um, fehlen dem Jugendcafé 1.133 Euro. „Das entspricht unseren Honorarkosten. Wenn wir die nicht mehr zahlen können, ist das Projekt tot“, erklärt Bartl. Denn die Honorarkräfte sind Jugendliche aus dem Stadtteil, die in der Einrichtung groß geworden sind und später als ausgebildete Jugendleiter selbst Verantwortung übernehmen. „Viele von ihnen haben eine abgeschlossene Ausbildung oder studieren. Die Arbeit hier hat sie weitergebracht“, so Bartl.
Würde nach dem Rasenmäherprinzip bei allen Einrichtungen gespart, müsste jede zweite dicht machen, weiß Bartl, die Mitglied des Jugendhilfeausschusses ist. Viel wahrscheinlicher sei, dass die Spielhäuser in Sandbek und Neuwiedenthal geschlossen würden, befürchtet sie. „Wenn das Spielhaus zu ist, sehe ich schwarz für den Stadtteil.“


INFO: Wo droht in Süderelbe der Rotstift?

Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit kann in Süderelbe an folgenden Stellen gespart werden. Klar ist: Es wird keine zehnprozentige Kürzung nach dem Rasenmäherprinzip geben. Statt dessen werden einige Angebote komplett gestrichen. Welche das sein werden, steht noch nicht fest. Insgesamt muss der Bezirk Harburg rund 340.000 Euro eingesparen.
Projekt Zuwendung 2012 (in Euro)
Jugendzentrum Este 22.099
Jugendclub Sandbek 181.706
Spielhaus Sandbek 32.224
Spielhaus Neuwiedenthal 60.857
Jugendcafé Neuwiedenthal 108.835
Jugendarbeit in Neuenfelde (DRK) 33.896
Nachmittagsgruppen Neuenfelde (DRK) 14.233
Kinder- und Jugendarbeit im Seehofring (B I Elbinseln) 15.450
Miteinander leben in Neugraben-Fischbek (In Via) 12.109
Pestalozzi, Kinder und Jugendfreizeitlounge Neugraben 145.150
Kindertierwiese Sandbek 800


INFO: Wie geht es weiter?

Am heutigen Mittwoch gibt die Finanzbehörde die Ergebnisse einer dreitägigen Haushaltsklausur bekannt, bei der entschieden wird, wie viel Geld die einzelnen Behörden für 2013 und 2014 bekommen. Der Doppelhaushalt wird jedoch erst im Herbst verabschiedet. Erst dann steht endgültig fest, welche Mittel der Bezirk Harburg für Kinder- und Jugendarbeit bekommt – die Sozialbehörde geht jedoch von einer Kürzung um zehn Prozent aus. Wie diese im Bezirk umgesetzt wird, entscheidet der Jugendhilfeausschuss. Die Kürzungen begründet die Behörde damit, dass Kinder zukünftig nachmittags in Ganztagsschulen betreut werden würden. „Es ist wichtig, dass die betroffenen freien Träger ihre Aufgaben künftig an Schulen angliedern oder in die Abendstunden oder auf die Wochenenden verlegen. Denn wenn es ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen gibt, werden die Träger für die Nachmittagsbetreuung an den Schulen gebraucht und die Kinder können selbstverständlich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein – beispielsweise in der Schule und auf dem Bauspielplatz“, so Nicole Serocka, Sprecherin der Sozialbehörde.
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