„Ich hoffe, dass ich die A26 noch erlebe“

Rosy Schnack (58), die 1962 von der Sturmflut hier „angespült“ wurde, möchte niemals aus Neu Wulmstorf wegziehen. (Foto: Steffen Kozieraz)

Aus der Reihe: Menschen erzählen, wie es sich hier leben lässt

von Steffen Kozieraz, Neu Wulmstorf
Als Rosy Schnack nach Neu Wulmstorf zog, heulte sie Rotz und Wasser. Rosy war damals neun Jahre alt, hatte ihr Zuhause in Neuland bei der Sturmflut von 1962 verloren, und die neue Siedlung bestand für sie aus ein paar Häusern auf dem Acker, am „Arm der Heide“. Heute möchte die 58-jährige Neu Wulmstorferin niemals vom idyllischen und sturmflutsicheren Rand der Heide wegziehen.
Was ihr an Neu Wulmstorf und der Region Süderelbe gefällt, sei die die gemütliche Kleinstadtatmosphäre: „Hier ticken die Uhren anders. Manchmal brauche ich zwei oder drei Stunden, wenn ich über den Wochenmarkt gehe, weil ich ständig Bekannte treffe und klöne,“ erzählt Rosy Schnack. Das größte Ärgernis im Ort sei die B73, die den Ort zerschneide. In der Stoßzeit lasse sich die lärmende Blechlawine als Fußgänger oder Radfahrer kaum passieren, denn: „Viele Lkw fahren einfach bei Rot. Das ist echt gefährlich! Warum bauen die keine Blitzer an die Ampeln?“, fragt sich Schnack. Ihr sehnlichster Wunsch für ihren Ort ist die A26. Auch wenn viele dagegen seien, so glaube sie an eine Entlastung der B73 durch neue Autobahn.
Zum Einkaufen fährt die Mutter zweier erwachsener Kinder nach Westen. Früher sei sie auch nach Harburg und Neugraben gefahren, doch heute geht es zum Shoppen und Bummeln nach Stade oder Buxtehude. „Die Lüneburger Straße muss ich nicht mehr sehen. Denn schön ist die ja nicht mehr mit den vielen Billigketten,“ so die Vorsitzende des Vereins Heidesiedlung. Neu Wulmstorf selber kennt sie noch aus Tagen, als es wesentlich mehr Einzelhändler gab und das Vereinsleben im Ort florierte. „Unser Verein braucht mehr junge Leute,“ findet die engagierte Niedersächsin. Doch seien die unter 50-Jährigen oft arbeitstechnisch zu eingespannt für ein Vereinsleben. Für ältere Leute biete Neu Wulmstorf ein reichhaltiges Angebot an Vereinen und sozialen Einrichtungen wie Kirchen oder das Rote Kreuz. „Man kann hier ganz viel machen. Es gibt hier Sportgruppen ohne Ende,“ so die aktive Angestellte, die gerne Boßeln geht.
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