„Ich bin seine Paten-Großmutter“

Auch, wenn das Ambiente des Cafés eher nüchtern wirkt: Legese und seine Paten-Großmutter Almut verstehen sich prächtig. (Foto: ww)

Die 86-jährige Almut engagiet sich ehrenamtlich im Café Welcome

Wittenburg/Istel, Neugraben – Ein Jahr ist es schon geöffnet: das „Flüchtlings-Café Welcome“ im Bildungs- und Gemeinschaftszentrum (BGZ), Am Johannisland 4. Ungezwungen kommen hier Menschen unterschiedlicher Herkunft und
jeden Alters miteinander ins Gespräch.
Pastorin Bettina von Thun von der Michaeliskirche leitet die Begegnungsstätte zusammen mit Kerstin Böhm und der Unterstützung von 20 ehrenamtlichen Helferinnen.
Immer montags, zwischen 15 und 17 Uhr, ist das „Café Welcome“ geöffnet. „Wir heißen hier jeden willkommen, gehen fröhlich und respektvoll miteinander um und verständigen uns mit viel Lachen. So, wie wir hier leben, das ist Frieden“, freut sich die Pastorin.
Seit einem Jahr ist Esmaili (19) in Hamburg und regelmäßiger Gast. „Ich komme aus Hammerbrook hierher und weil ich in der Abendschule über 200 Stunden Deutsch gelernt habe, möchte ich nun als Übersetzer helfen.“ Esmaili ist mit seinem 17-jährigen Bruder aus Afghanistan geflohen. „Weil meine Eltern noch dort sind und wir nur wenig Kontakt haben, mache ich mir viele Gedanken und habe oft schlaflose Nächte.“

Die 86-jährige Almut ist für Legese „Paten-Großmutter“

Neben ihm sitzen Shakiba (17), Helferin Solveig und Shakibas kleiner Bruder Aliasgar (5). „Ich komme aus Afghanistan und lebe seit elf Monaten mit Mutter und Bruder im Camp im früheren Baumarkt. Im Café Welcome mag ich den Austausch mit anderen und die Hilfestellung.“
Legese (25) aus Eritrea sitzt neben der Neugrabenerin Almut. Die 86-Jährige unterbricht ihren Plausch und erklärt stolz: „Ich bin seine Paten-Großmutter!“ Legese lächelt glücklich. „Seit einem Jahr bin ich in Hamburg und war bisher in drei Unterkünften. Viel schlimmer ist für mich: Weil ich als ältestes von sieben Geschwis-tern geflohen bin, ist meine Mutter in Eritrea für sechs Monate ins Gefängnis gekommen. Das war hart für mich!“ Seine Paten-Großmutter macht nicht viel Aufhebens um ihr Engagement im Café, doch sie öffnet ihr Zuhause. „Ich lade Legese mit ein paar seiner Freunde zu mir nach Hause ein.“


Neue Serie: Mutmacher
Schlechte Nachrichten lesen, sehen und hören wir genug. Das Elbe Wochenblatt stellt in loser Folge „Mutmacher“ vor. Wir zeigen Menschen, die sich für das Miteinander einsetzen, die Anstöße geben für Verständnis und Solidarität. Und wir zeigen, dass jeder etwas für seine Nachbarschaft tun kann, manchmal auch mit Kleinigkeiten. Denn wir gestalten die Welt, in der wir leben. Machen Sie mit, lassen Sie sich Mut machen!
Kennen Sie Mutmacher aus Ihrem Stadtteil? Schicken Sie uns einen Tipp per E-Mail oder rufen Sie an: post@wochenblatt-redaktion.de (Bitte in den Betreff schreiben: Mutmacher); Tel. 76 60 00 82 (Karin Istel) CV
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