Hilfe, ich werde blind!

Die Lupe vergrößert Zahlen und Buchstaben riesig groß. Nur so kann Anke Holtmann überhaupt noch was erkennen.

Blickpunkt Auge bietet ein neues, kostenloses Beratungsangebot für Sehbehinderte

Harburg - Anke Holtmann sitzt am Computer, um ihre nächste Beratungsstunde vorzubereiten. Nichts Außergewöhnliches, wäre sie nicht fast blind. Nur mit der im Computer installierten Lupe kann sie die riesengroßen Buchstaben entziffern. Oder sie schaltet die Sprachbox ein, und der Text wird vorgelesen. Doch die ehemalige Lehrerin verzweifelt nicht an ihrer fortschreitenden Erblindung: Sie ist gut gelaunt, meistert mit vielen Hilfsmitteln gekonnt ihren Alltag und gibt als ehrenamtliche Beraterin ihre Erfahrungen an Betroffene und deren Angehörige weiter.

Frau Holtmann, seit wann sind Sie blind?
Anke Holtmann: Ich bin seit meiner Geburt starke kurzsichtig. Das wurde im Laufe der Jahre noch schlimmer. Meinen Beruf als Lehrerin musste ich 1997 vorzeitig aufgeben. Seit drei Jahren bin ich fast blind.

Ist das nicht ein einsames Leben?
Nein! (lacht) Ich sitze nicht nur Zu Hause herum. Ich gehe einkaufen, treffe mich mit meiner Literaturgruppe ...

Mit der Literaturgruppe?
Ja. Ich höre die Bücher, die anderen haben ihr Buch dabei. Das geht ganz gut.

Wie lebt man seinen Alltag als fast Blinde?
Es ist natürlich schon eine große Umstellung. Ich sehe ein biss-chen Farbe und Hell/Dunkel. Ich vermisse es, die Mimik der Menschen während eines Gespräches sehen zu können oder wissen, wie sie aussehen.
Im Alltag hat in der Wohnung alles seinen festen Platz, so finde ich es leicht wieder. Auf der Straße orientiere ich mich mit einem Stock. Ich hatte 30 Stunden Unterricht, um damit klarzukommen. Es gibt für Blinde viele gute Hilfsmittel wie beispielsweise einen Farberkenner. Aber viele kennen sie nicht.

Was machen Sie in der Beratung? 
Ich stelle Hilfsmittel vor, gebe Alltagstipps und Infos über Augenkrankheiten und ich höre zu. Viele Menschen haben Angst bei der Vorstellung, nicht mehr sehen zu können. Diese Gefühle kenne ich selber. Da hilft es, einen Geprächspartner zu haben.

Wer kann zur Beratung kommen?
Das Beratungsangebot von „Blickpunkt Auge“ ist neu. Alle, die von einer Sehverschlechterung wie beispielsweise einer Makula-Degeneration betroffen sind, und deren Angehörige sind willkommen. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt dem Datenschutz. Ich bitte um telefonische Anmeldung, damit ich mir für Einzelgespräche Zeit nehmen kann.


Beratung
Blickpunkt Auge
Anke Holtmann
jeden vierten Mittwoch im Monat von 12 bis 14 Uhr
nächster Termin: 22. Oktober
Tel. 75 66 67 69
E-Mail a.holtmann@blickpunkt-auge.de
❱❱ www.blickpunkt-auge.de
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