Hier mussten 500 jüdische Frauen zwangsarbeiten

Heiner Schultz zeigt, wie das KZ am Falkenbergsweg während des Zweiten Weltkrieges ausgesehen hat. (Foto: Sabine Langner)

Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme lud zum Spaziergang über das Lagergelände der Außenstelle am Falkenbergsweg ein

von Sabine Langner, Neugraben
Ein Overall, eine Garnitur Unterwäsche, ein Paar grobe Holzschuhe und im Winter ein Mantel – das war alles, was sie hatten. 500 tschechische Jüdinnen, die dem Gas in Auschwitz entkamen, weil sie als arbeitsfähig galten, wurden in das Konzentrationslager am Falkenbergsweg in Neugraben verschleppt. Die jüngste der Frauen war 15 Jahre alt, die älteste 45. Um an ihr Schicksal zu erinnern, lädt Heiner Schultz, Mitglied des Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V., jedes Jahr am 15. April, am Tag des Kriegsendes interessierte Menschen ein, ihn auf einem Abendspaziergang über das Lagergelände der KZ-Außenstelle zu begleiten.
Gut 20 Menschen sind seiner Einladung in diesem Jahr gefolgt. Schultz ringt sichtlich um Fassung, als er die Geschichte der Frauen erzählt. Jeden Tag mussten sie in den frühen Morgenstunden zu Fuß in den Harburger Hafen oder die Harburger Innenstadt gehen, um Bombentrümmer wegzuräumen, um Steine zu klopfen, um in den noch funktionierenden Fabriken zu arbeiten. Zu essen gab es wässrige Suppe mit gammligen Kartoffeln oder Rüben. Ein Glücksfall, wenn bei den Bombenangriffen auf Hamburg ein Pferd getroffen wurde. Dann gab es auch mal ein bisschen Fleisch in der Suppe. Waschen durften die Frauen ihre Kleidung einmal in der Woche. Aufhängen durften sie sie nicht. „Sie mussten die nasse Wäsche wieder anziehen und versuchen, sie mit ihrem Körper zu trocknen“, erzählt Schultz.
Die Zuhörer stehen betreten in den sonnigen, idyllischen Ausläufern der Fischbeker Heide und fragen sich, wie so etwas möglich war, hier direkt vor ihrer Haustür. Sie verbindet der Wunsch, dass dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte nicht vergessen werden darf. Davon ist auch Heiner Schultz überzeugt. Deshalb führt er auch Schulklassen über das Gelände und erzählt den Kindern Details über das Lagerleben. Geblieben sind von dem Lager nur noch ein paar Fundamente, ein paar verwitterte Treppenstufen, eine Handvoll Dokumente und die Erinnerungen der Frauen, die überlebt haben.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.