„Heiligabend bin ich allein“

Die 68-jährige Rentnerin Gisela feiert Weihnachten allein.Dann wird sie sich selbst mit Schuhen und einem Ring bescheren.

Die 68-jährige Rentnerin Gisela freut sich trotzdem auf Weihnachten

- Neugraben- Gisela isst heute beim Obdachlosenfrühstück. Im Gemeindesaal der Heilig Kreuz Kirche stärkt sie sich erst einmal mit einem ausgiebigen Frühstück für den Tag. Sie muss mit 500 Euro Rente im Monat auskommen. „Davon gehen noch anteilig 117 Euro Miete ab“, sagt „Gisi“, wie sie von ihren Bekannten genannt wird. Wie sieht Weihnachten aus, wenn das Geld so knapp ist?
„An Heiligabend bin ich allein“, sagt sie ohne Bedauern in der Stimme. „Meine drei Kinder möchten mit ihren Familie feiern.“ Schön wird es sich „Gisi“ trotzdem machen. „Bei mir wird es Gänsekeule geben“, verrät die Rentnerin ihr Festtagsessen.
Ihre erste Weihnachtsfeier ist es nicht in diesem Jahr. „Ich war schon bei Hinz und Kunzt. Das war sehr schön und stimmungsvoll. Es gab eine pralle Tüte mit schönen Sachen wie Duschgel oder Bockwürstchen in der Dose“, freut sie sich. „Die Sachen kann man lagern und immer gebrauchen.“
Und was ist mit Geschenken am Heiligabend? „Die habe ich mir schon selbst gekauft. Ich habe mir neue Schuhe für knapp 70 Euro geleistet“, freut sich die 68-Jährige. Etwas Luxus gönnt sie sich auch: „Ich habe mir einen Ring bei Tchibo gekauft. Dann war das Geld so ziemlich alle.“
Natürlich liegt auch ein Geschenk für die anderthalbjährige Enkelin Lara bereit. „Ich habe ihren Namen in einen Tee- und einen Esslöffel gravieren lassen“, freut sich die geborene Sylterin auf den Besuch bei ihrer Tochter und Enkelin am
ersten Feiertag.
Voller Vorfreude ist auch „Gisis“ Tischnachbar Tobias. „Ich glaube, meine Freundin schenkt mir zu Weihnachten Bettwäsche von Borussia Mönchengladbach“, sagt der Fan der Bundesliga-Mannschaft ganz aufgeregt. „Deshalb bin ich ein bisschen überdreht“, gibt er zu. Auch er hat als Schwerbehinderter nicht viel Geld, wird von der Stiftung Alsterdorf betreut. Aber an
Heiligabend wird er es sich gemeinsam mit seiner Freundin und deren Mutter richtig gut gehen lassen: Sie werden gemeinsam kochen. Dann steht vielleicht ein Kirchenbesuch an. „Ich bin gläubig und würde gern in den Weihnachtsgottesdienst gehen. Meine Freundin will aber nicht. Da muss ich mal sehen.“
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