Haute Couture aus Neugraben

Gemeinsam besprechen Bekleidungstechnikerin Mariola Scharfenberg und Alina vor dem Schnittmuster, wie die Teile für das karierte Herbstkleid am besten zugeschnitten werden.

In der offenen Schneiderwerkstatt nähen sich Frauen aller Kulturen ihre Kleidung und lernen dabei Deutsch

Neugraben - Karl Lagerfeld oder Wolfgang Joop hätten ihre helle Freude an der offenen Schneiderwerkstatt: Es wird Maß genommen, zugeschnitten und genäht, was das Zeug hält. Herrin des Trubels ist die 53-jährige Mariola Scharfenberg. Als Bekleidungstechnikerin mit Ausbildungsberechtigung leitet sie die Schneiderwerkstatt.

Wer kann kommen?
Mariola Scharfenberg: „Jede Frau, die möchte. Man muss nur Lust zum Nähen haben. Es ist völlig egal, ob man Anfängerin oder Fortgeschrittene ist. Zur Zeit treffen sich hier Frauen aus der Türkei, Polen, Deutschland, Afghanistan und Russland. Wir hatten auch schon einmal einen männlichen Teilnehmer. Doch er kam nach einer Weile nicht mehr.“

Was wird geschneidert?
M.S.: „Was immer man möchte. Derzeit näht Renate einen blau-gestreiften Rock, während sich Alina ein langärmliges Karokleid für Herbst ausgesucht hat. Das ist etwas schwieriger zu nähen, weil man auf die Karos achten und Falten legen muss. Anfängern würde ich davon abraten.“

Warum heißt es „offene“ Schneiderwerkstatt?
M.S.: „Einige Frauen schaffen es nicht, jeden Mittwoch zu kommen. Man kommt, wann man kann. Auf der anderen Seite haben die Frauen einen Treffpunkt, werden aus der Isolation geholt.“

Wie teuer ist die Teilnahme?
Zwei Euro pro Treffen. Das ist ein symbolischer Beitrag. „Was nichts kostest, ist nichts wert“, lacht Scharfenberg.

Was ist das Besondere an der Werkstatt?
M.S.: „Wir helfen uns untereinander. Dabei kommt man miteinander ins Gespräch. Das ist Integration.“

Integration?
M.S.: „Ich komme aus Polen, leite die Gruppe. Die Teilnehmerinnen kommen aus allen möglichen Ländern der Welt. Über die Kleidung kommt man ins Gespräch über die Sitten und Bräuche in den einzelnen Ländern. Und wir reden alle Deutsch, verbessern uns untereinander. Keiner lacht uns aus, wenn mal etwas nicht ganz so gut formuliert ist.“

Wer zahlt die Materialien?
M.S.: „Wir werden von den Stadtteilbeiräten Neugraben und Neuwiedenthal sowie der Saga/GWG unterstützt. Den Raum hier im AWO Seniorentreff können wir kostenlos nutzen.“
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