Haspa will Fischbeker Filiale schließen

Elke Buhr wundert sich darüber, warum ihre Filiale an der Cuxe schließen soll. „Im Sommer sitzen wir oft abends und am Wochenende draußen vor der Kneipe nebenan. Da halten im Minutentakt Autofahrer, um Geld abzuheben“, erzählt die Rentnerin.

Anwohner reagieren mit Unverständnis auf Pläne des Geldinstituts

Entsetzen in Fischbek: Die Hamburger Sparkasse will ihre Filiale in der Cuxhavener Straße 484 im Sommer dicht machen. „Für mich ist das der Super-Gau“, klagt Tabak-Händlerin Kirsten Havekost. Vor einem Vierteljahr erst hat sie das Tabak-Geschäft in der kleinen Ladenzeile, in der sich neben der Haspa auch eine Änderungsschneiderei und eine Kneipe befinden, übernommen. Ein Schritt, denn sie jetzt bereut. „Wenn ich gewusst hätte, dass die Haspa schließt, hätte ich das nicht getan. Viele, die dort Geld holen, kommen danach zu mir, um Tabak zu kaufen. Dieser Kundenkreis bricht dann einfach weg“, befürchtet sie.
Elke Buhr, Sandbekerin und seit vielen Jahren Haspa-Kundin, ärgert sich über die geplante Schließung. „Ich habe extra von der Postbank zur
Haspa gewechselt, als die Post hier vor Jahren geschlossen hat“, erzählt die 75-Jährige. „Die nächste Haspa-Filiale ist in der Neugrabener Bahnhofstraße. Die Busfahrt hin und zurück kostet 3,80 Euro. Ich sehe nicht ein, wieso ich so viel Geld verfahren muss.“
Für viele ihrer Nachbarn und Bekannten wäre die Fahrt zudem schwierig. „In der Siedlung leben viele ältere Leute, die auf einen Gehwagen angewiesen sind. Was sollen die jetzt machen?“, fragt Buhr.
Sie ist sich sicher, dass es der Filiale nicht an Kunden mangelt. „Hier sind mehrere große Siedlungen. Und eine andere Bank gibt es nicht“, meint Buhr. In Zukunft könnten zudem viele Kunden dazukommen. Schließlich eröffnet im Mai in unmittelbarer Nähe die Seniorenresidenz Fischbek, die 109 Bewohnern Platz bietet. Und keine 100 Meter entfernt soll auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger Kaserne eine neue Siedlung mit rund 800 Wohneinheiten entstehen.
Dafür, dass die Haspa in Fischbek zumindest einen Geldautomaten stehen lässt, will sich jetzt die Politik einsetzen. „Ich bin da zuversichtlich“, sagt Manfred Schulz (SPD). Er wurde von der Bezirksversammlung beauftragt, deren Vorsitzender er ist, mit der Haspa-Geschäftsleitung zu sprechen. Der Hausbrucher hat schon vor Jahren gute Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht. Damals bildeten sich regelmäßig lange Schlangen in der Neuwieden-thaler Filiale. Das änderte sich, als das Geldinstitut auf sein Drängen hin einen zweiten Geldautomaten aufgestellt und die Öffnungszeiten verländert hat.

Das sagt die Haspa:
Warum die Haspa ihre Fischbeker Filiale schließen will, wird auch nach einer Anfrage beim dem Institut nicht klar. Sprecher André Grunert verweist auf „veränderte Kundenströme beziehungsweise Kundenpräferenzen“ und sagt im besten Bürokratendeutsch nur so viel: „Die Haspa hat sich nach eingehender Prüfung entschlossen, die Filiale in der Cuxhavener Straße 484 zum 31. Mai 2013 mit der Filiale an der Neugrabener Bahnhofstraße 12 zusammenzulegen, um unsere Serviceleistungen und Beratungskompetenz dort für die Kunden zu konzentrieren und weiter auszubauen – als verlässlicher Partner vor Ort.“ Ob die Filiale in den letzten Jahren Kunden verloren hat und sich die Sparkasse deshalb zu der Schließung entscheiden hat, will der Haspa-Sprecher mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis nicht bestätigen. Auch konkrete Kundenzahlen könne er nicht nennen. Warum man nicht plane, einen Geldautomaten vor Ort stehen zu lassen, will Grunert ebenfalls nicht begründen. Die Fischbeker Kunden würden Ende März schriftlich über den Umzug ihrer Konten und Bankschließfächer in die Neugrabener Filiale informiert. Dort werden ab Juni laut Grunert auch die Fischbeker Mitarbeiter beschäftigt.



Kommentar:
von Anna Sosnowski
Die Nähe zum Kunden ist seit Jahren das Hauptverkaufs-argument der Haspa. Sie wirbt damit, ihren Kunden ein dichtes Netz an Filialen und Geldautomaten zu bieten, und will sich so gegen andere Geldhäuser und günstige Online-Direktbanken durchsetzen. Doch jetzt scheint sich auch dieser letzte Grund, bei der Sparkasse zu bleiben, erledigt zu haben – zumindest in Fischbek. Hier werden diejenigen, die bisher auf die Nähe von Geldautomaten und Bankberatern angewiesen waren, mit den Füßen abstimmen. Schließlich ist der Weg zur Konkurrenz künftig auch nicht weiter.
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