Glutherde im Kohlelager

Die in den beiden runden Speicherbauten gelagerte Kohle hat sich besorgniserregend stark erhitzt. (Foto: Vattenfall)

Kraftwerk Moorburg: 60 Feuerwehrleute im Einsatz, keine Gefahr für Menschen und Umwelt

Das Kohlekraftwerk Moorburg sorgt weiter für Schlagzeilen: Nachdem erst vor ein paar Wochen ein Legionellenfund die Arbeit im Hybridkühlturm zum Erliegen brachte, herrscht nun Brandgefahr in einem der beiden Kohlelager. Vergangenen Freitag wurden im Lager 2, in dem 70.000 Tonnen Kohle lagern, stellenweise eine Temperatur von bis zu 70 Grad – normal sind 30 Grad – und stark erhöhte Kohlenmonoxidwerte gemessen. Daraufhin alarmierte Kraftwerksbetreiber Vattenfall die Feuerwehr, die mit 60 Beamten anrückte.
„Wir gehen davon aus, dass es irgendwo Glutnester gibt“, sagt Vattenfall-Sprecher Stefan Kleimeier. Sie befänden sich in einer unteren Schicht der Kohle und könnten deshalb nicht durch Bewässern von oben gelöscht werden. Erschwerend käme dazu, dass die sogenannten Hot Spots vermutlich im hinteren Teil des Bunkers liegen. Um zu ihnen zu gelangen, werde mit zwei Radladern zurzeit Kohle abgetragen. Diese wird per Schiff in das Heizkraftwerk Wedel transportiert und dort verwendet. Mittlerweile befinden sich laut Vattenfall weniger als 50.000 Tonnen Kohle in dem Bunker. Es werde vermutlich noch mehrere Tage dauern, bis die Hot Spots gefunden sind.
Zurzeit sind noch etwa 20 Feuerwehrleute in Moorburg im Einsatz. „Wir führen weiter Messungen durch, sichern die beiden Radladerfahrer und können sofort löschen, sollten wir Hotspots finden“, erklärt Feuerwehr-Sprecher Manfred Stahl. Zudem habe man auch im Kohlebunker 1, in dem nur 37.000 Tonnen Kohle lagern, erhöhte Temperaturen festgestellt und müsse die Lage dort kontrollieren. Gefahr für Menschen und Umwelt bestehe jedoch zurzeit nicht, versichert Stahl.
Grund für die Erwärmung sei ein ganz normaler Prozess, denn lange gelagerte Kohle fängt an zu oxidieren und setzt dabei Wärme frei. „Je länger Kohle lagert, desto wärmer wird sie“, sagt Kleimeier. Im Regelbetrieb wäre das kein Problem, denn das Naturprodukt liege dann nur wenige Wochen im Speicher bis es verbraucht wird. Noch sei das Kraftwerk jedoch in der Phase der Inbetriebnahme, in der es zu Verzögerungen gekommen sei.


Kritik aus Moorburg:
Die Initiativen „Interessenbündnis Moorburg“, „moorburg forever“ und „Kraftwerk Moorburg Stoppen“ kritisieren Vattenfall in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Obwohl das Unternehmen noch im Sommer versichert hatte, die benachbarten Dorfbewohner sofort zu informieren, sollte es im Kraftwerk zu einer weiteren Panne kommen, habe man versäumt, die Bevölkerung über den Vorfall am Freitag zu informieren. Auch über den Legionellen-Alarm seien die Moorburger nicht rechtzeitig informiert worden. „Wir zweifeln daran, dass Vattenfall seiner Verantwortung als Betreiber des Kraftwerks gerecht werden kann“, sagt Ulrich Wendt vom „Interessenbündnis Moorburg“. Claudia Kulenkampff von „moorburg forever“ fordert: „Solange sich die Umweltbehörde nicht dazu durchringen kann, Vattenfall die Betriebsgenehmigung zu entziehen, soll sie selber den Kraftwerksbetrieb kontrollieren, anstatt sich die Daten von Vattenfall geben zu lassen."
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