"Ghettos" befürchtet - Neugrabener gründen Bürgerinitiativen

Spontan treffen sich Anwohner auf der Hundesauslauffläche am Falkenbergsweg, die nach Willen der Stadt demnächst einige hundert Flüchtlinge beherbergen soll. (Foto: Andreas Bündert)
 
Andreas Bündert sieht gute Chancen für die Märchenwiese (Foto: Andreas Bündert)

Nach der Informationsveranstaltung am vergangenen Mittwoch formiert sich breiter Widerstand. Gleich zwei Neugrabener gründeten Bürgerinitiativen.

Die Stadt befindet sich im Handlungsdruck, jeden Tag kommen mehrere hundert Flüchtlinge nach Hamburg, die wenigstens zunächst ein Bett und ein Dach über dem Kopf benötigen. Unlängst fährt man im Katastrophenmodus und neben den üblichen Strukturen über THW, DRK und vielen anderen sozialen Trägern, kommt es ohne tausende ehrenamtliche Helfer nicht mehr aus. Die große Politik muss sich dringend und im Verband der vereinten Nationen um die Fluchtursachen kümmern. Waffenexporte, Einbürgerungsregeln und Entwicklungshilfe müssen auf dem Prüfstand. Darüber herrscht im Prinzip auch gesellschaftlicher Konsens. Bürokratie und lange Verfahrenswege im Asylverfahren und nahezu stillgelegter sozialer Wohnungsbau offenbaren die fehlgeleitete Neoliberale Politik der vergangenen Jahrzehnte.

Die große ehrenamtliche Hilfs- und Spendenbereitschaft zeugt aber auch von einer breiten Willkommenskultur. So legt der Gründer der Neugrabener Bürgerinitiative "Waldfrieden in Neugraben retten" auch großen Wert darauf, dass sich der Protest der Initiative nicht gegen die Flüchtlinge richtet, sondern für den Erhalt der als "Märchenwiese" bekannten Fläche. "Vieles spreche gegen ein Flüchtlingsdorf auf dieser Fläche. Der Jahrzehnte Lange gewachsene Charakter der Waldfriedensiedlung geht verloren, eines der letzten schönen Flecken in Neugraben, umgeben vom Naturschutzgebiet. Auch die Funktion des Hochwasserschutzes ginge verloren und nicht zuletzt die direkte Nachbarschaft zum Friedhof sind aus meiner Sicht problematisch", sagt Andreas Bündert.

So ist es nicht verwunderlich, dass nur zwei Tage nach Gründung der Bürgerinitiative mehr als 250 Neugrabener/innen den Weg in die Initiative fanden. Bereits die Flüchtlingsunterkunft "Am Aschenland" ist nach Ansicht der Initiative völlig überdimensioniert. Eine Integration sei hier unmöglich, Neugraben habe schon ohne Flüchtlinge viele soziale Probleme. Daher fordern wir die sofortige Einstellung der Planungen von der Politik. "Nötigenfalls werden wir den Klageweg beschreiten", sagt Andreas Bündert abschließend. Seine Initiative informiert bei Facebook über aktuelle Entwicklungen.

Die Bürgerinitiative "Neugraben-Fischbek - Nein zur Politik" will nach eigener Auskunft die Entstehung eines Ghettos mit "Menschen verachtender Massenhaltung" verhindern. Sie wollen ein "vernünftiges" Erstaufnahmezentrum mit anschliessender sozialverträglicher Integration der Bleibe willigen. Großer Unmut herrscht in der Initiative, die bisher mehr als 800 Mitglieder umfasst, vor allem auch über die riesigen Ausmaße des Projektes "Am Aschenland". "Das Mühsam erreichte neue Prestige des Stadtteils darf nicht riskiert werden, die Stadt könnte lieber die Olypiabewerbung stoppen und Hamburg standhafter für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen machen", meint Uwe Schröer. Die Initiative lädt zur ersten Sitzung am kommenden Mittwoch um 19.30 Uhr in das Restaurant "Merrano" an der Cuxhavener Straße 292 ein.
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