Gerettet – und nun?

Im Maschinenhaus der Zinnwerke arbeiten zurzeit 24 Künstler und Medienleute. (Foto: Christopher von Savigny)

Zinnwerke setzen sich für „Kulturkanal“ ein

von Christoper von Savigny, Wilhelmsburg
Die Kreativen und Gewerbetreibenden der Zinnwerke können aufatmen: Nachdem sich die Kultur- und die Finanzbehörde vor einigen Wochen dazu entschlossen hatten, den geplanten Opernfundus doch nicht an den Veringkanal zu verlegen, ist das historische Ensemble nun nicht mehr vom Abriss bedroht. „Unser Vermieter, die Sprinkenhof AG, hat die Kündigung zurückgenommen“, berichtet Hauptmieter Marco Antonio Reyes Loredo, der mit seiner Firma „Hirn & Wanst“ in der 800 Quadratmeter großen ehemaligen Maschinenhalle zuhause ist.
In dem über 100 Jahre alten Backsteingebäude arbeiten insgesamt 24 Künstler, Bildhauer und Kulturwissenschaftler. Von der Rücknahme der Kündigung profitieren auch ein Getränkehandel sowie zwei Kfz-Betriebe, die sich ebenfalls auf dem Gelände der Zinnwerke befinden.
Die Rettung der Zinnwerke: Vielleicht könnte sie den Startschuss geben zu einem innovativen Projekt, das sich „Kulturkanal“ nennt. Denn mit der Honigfabrik, dem neuen Künstlerhaus Veringhöfe, dem Dockville-Festival und der Soul-Kitchen-Halle – letztere ist allerdings derzeit wegen Einsturzgefahr geschlossen – befindet sich die alte Zinnschmelze in illus-trer Umgebung. Schon Bezirksamtsleiter Andy Grote hatte sich für die Idee eines Kulturkanals mit Studios, Clubs und Bühnen entlang des Veringkanals ausgesprochen.
Allerdings tut sich in der Hinsicht noch wenig. Nach Meinung von Reyes Loredo fehlt es vor allem an eindeutigen Signalen. „Die Politik müsste sich mehr für das Projekt einsetzen“, findet er. Auch von Seiten der Sprinkenhof AG sei keine Bereitschaft erkennbar, weitere Flächen zu vergeben. Nur zu gerne hätte „Hirn & Wanst“ die benachbarte, 2.800 Quadratmeter große Lagerhalle dazu gemietet. „Wir hatten Dutzende von Interessenten“, sagt Reyes Loredo. Unter anderem ein Café, eine Musikband und ein Behindertenprojekt hätten angefragt. In dem Zusammenhang stimmt es die Kreativen am Veringkanal nicht gerade optimis-tisch, dass sie als gewerbliche Mieter jederzeit gekündigt werden können. „Immerhin wurde die Frist von drei auf sechs Monate angehoben“, so Reyes Loredo.
Das Bezirksamt Mitte plant nach eigenen Aussagen, das Projekt „Kulturkanal“ voranzutreiben. „Konkret ist die Sache aber noch nicht“, berichtet Sprecherin Sorina Weiland. Auch SPD-Politiker Klaus Lübke will dranbleiben. „Wir sind alle daran interessiert, dass dort gemeinsam etwas entwickelt wird“, sagt er.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.