Gemeinsam mit allen Sinnen

Finn (7), Lukas (8) und Roubeya (8) tasten gemeinsam, was sich in den Socken versteckt.

Erfolgreiche Schul-Kooperation: In Hausbruch lernen behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen

von Anna Sosnowski, Hausbruch
Vorsichtig nimmt Roubeya eine Socke in die Hand. Das bunte Kleidungsstück hängt an einer Wäscheleine, die das Mädchen gemeinsam mit Mitschülern quer durch das Klassenzimmer gespannt hat. Was die Achtjährige im Inneren der Socke ertastet, kann sie nicht sagen. Finn (7) und Lukas (8) sprechen für sie. „Das sind Steine“, sagt Finn. In dem großen Klassenraum haben die Zweitklässler einen Sinnesparcours aufgebaut. Heute stehen Riechen, Schmecken, Tasten, Sehen und Hören auf dem Lehrplan. Andere Klassenstufen kochen oder machen Ausflüge. Das Besondere: Die Projektwoche veranstalten die Hausbrucher Zweigstelle der Schule Nymphenweg für Kinder mit Behinderungen und die Schule Hausbruch gemeinsam.
Was 2007 als zaghafter Versuch begann, hat sich heute zu einer erfolgreichen Kooperation zwischen den beiden Schulen entwickelt. Damals zogen die unteren Klassenstufen der Schule Nymphenweg nach Hausbruch, weil der Hauptstandort in Harburg aus allen Nähten platze. „Ausgegangen ist es von den Kindern. Die haben auf dem Schulhof Kontakt aufgenommen“, erinnert sich Schulleiterin Elke Teichert. Dann folgte gemeinsamer Sport-, Kunst- und Musikunterricht, später auch Unterricht in den Hauptfächern. Heute hat jede Klasse eine Partnerklasse in der benachbarten Schule Hausbruch. „Unsere Kinder sind froh, den Sonderstatus eine Zeit lang los zu sein“, sagt Teichert. „Bei ihren gleichaltrigen Mitschülern gucken sie sich viel ab und merken dann erst, was sie können. Als Erwachsene haben wir nur begrenzt Einfluss auf die Kinder.
Die Kooperation der beiden Schulen ist einmalig in Hamburg. Grundsätzlich dürfen Eltern zwar ihre Kinder mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“ an jeder Regelschule anmelden, seit Hamburg vor über einem Jahr einen UN-Beschluss umgesetzt hat, der allen Kindern das gleiche Recht auf Bildung zubilligt. Doch noch läuft die so genannten „Inklusion“ an vielen Schulen nicht problemlos. „Unsere Kooperation könnte ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Inklusion sein“, meint Teichert. „Bis alle Schulen das nötige Personal und die Ausstattung haben.“ Für ihre Schule, die seit der Einführung von „Inklusion“ über deutlich sinkende Anmeldezahlen klagt, sei die Kooperation eine Chance. Teichert: „Wir müssen uns als Schule nach Außen öffnen und gleichzeitig versuchen als Spezialisten immer besser zu werden.“
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