„Fremde Menschen halfen mir“

Kirsten Krause (l.) leitet das Seniorenheim Domizil in Heimfeld. Sie sammelte Geld für die Beerdigung von Beata Kühnels Stiefvater Marek Zielinski.

Verzweifelte Harburgerin sammelte 3.100 Euro für die Beerdigung ihres Vaters

Die vergangenen Wochen waren hart für Beata Kühnel. Zuerst erfuhr die 32-Jährige, dass ihr geliebter Stiefvater an Lungenkrebs im Endstadium litt. Dann ging alles sehr schnell: Am 9. Juli verstarb Marek Zielinski mit 54-Jahren im Krankenhaus Groß Sand. In Ruhe trauern konnte seine Stieftochter nicht. Für sie begann ein Wettlauf mit der Zeit. „Im Krankenhaus hat man mir gesagt, ich hätte fünf Tage, mich um alles zu kümmern, ansonsten werde er anonym bestattet“, erzählt Kühnel.
Das wollte die alleinerziehende Mutter von drei Kindern auf keinen Fall. Doch Geld für die Beerdigung hatte ihr Vater nicht hinterlassen. Und auch Beata Kühnel, ambulante Pflegerin, die ihre Familie nach einem Bandscheibenvorfall von Krankengeld ernährt, hatte kein Geld. In ihrer Verzweiflung wandte sich die junge Frau an das Seniorenheim Domizil in Heimfeld. Dort hatte der Deutsch-Pole fünf Jahre lang als Hausmeister gearbeitet. Was dann geschah, kann die junge Frau noch immer kaum glauben. „Innerhalb von drei Tagen haben die Geschäftsführung und Mitarbeiter 3.100 Euro gespendet“, sagt sie gerührt. Das Geld reichte, und der Harburger wurde am 30. Juli in Langenbek beerdigt.
Vor allem ist Kühnel für die Hilfe von Kirsten Krause dankbar. Die Heimleiterin hatte sich, seitdem sie von der Krankheit ihres Stiefvaters wusste, aufopfernd um ihn gekümmert. „Als er Atemnot bekam, brachte Frau Krause ihm ein Sauerstoffgerät. Mein Vater war so gerührt, dass er geweint hat“, erinnert sich Kühnel. Später half Krause dabei, ihm einen Platz auf der Palliativstation des Krankenhauses zu besorgen. Für Krause ist ihr Verhalten nicht ungewöhnlich. „Unsere Mitarbeiter leisten gute Arbeit. Als Arbeitgeber sind wir verpflichtet, ihnen zu helfen“, sagt sie. Sie wünschte nur, Marek Zielinski wäre schon früher zu ihr gekommen. „Er war sehr in sich gekehrt und hat nie nach Hilfe gefragt“, erzählt sie. Nur bei der Arbeit im Garten sei er aufgeblüht. „Da war er in seinem Element“, sagt Krause.
Die Heimleiterin stand auch Beata Kühnel bei. „Frau Krause war immer für mich da und hat mir genau erklärt, was ich tun muss“, erzählt Kühnel. Eine lange Liste an Gerichts- und Amtsbesuchen stand ihr bevor – erschwert dadurch, dass Kühnel nicht offiziell mit Zielinski verwandt ist. Ohne die Hilfe der Heimleiterin hätte sie die schwere Zeit nicht überstanden, ist sich die zierliche Frau sicher. „Dass fremde Menschen einem so helfen können, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten“, sagt sie.
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