Freispruch für Amor S. und Avni A.

Schon vor der Urteilsverkündung posierte Amor S. (l.) – hier mit einem Freund, der die Verhandlung vom Zuschauerraum aus verfolgte – entspannt und gut gelaunt für die Fotografen und Kameraleute.
Hamburg: Neuwiedenthal |

Prozess um Massenschlägerei in Neuwiedenthal nach neun Monaten beendet

Locker und gelassen sitzt Amor S. in Jeans, T-Shirt und Turnschuhe gekleidet auf der Anklagebank im Landgericht Hamburg. Schon vor der Urteilsverkündung am vergangenen Freitag im Prozess um die Massenschlägerei von Neuwiedenthal am 26. Juni 2010 war sich der entspannt lächelnde 32-Jährige sicher, nichts befürchten zu müssen.
Seit Dezember standen S. und der mitangeklagte Avni A. (25) wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht. Nach 40 Verhandlungstagen hat das Gericht die beiden Männer jetzt freigesprochen. „Ihre Schuld ist nicht erwiesen“, sagte die Richterin zu Beginn ihrer ausführlichen Urteilsbegründung. Zudem werde Amor S. für mehrere Monate Untersuchungshaft entschädigt.
Der Grund für den Freispruch ist simpel: Der Hauptbelastungszeuge, ein Zivilfahnder, weigerte sich, alle Fragen des Gerichts zu beantworten. Da er jedoch als einziger gesehen haben will, wie Amor S. und Avni A. Polizeibeamte brutal angriffen, könne deren Schuld nicht bewiesen werden. Der Zivilfahnder verweigerte die Aussage wiederholt, um sich selbst nicht zu belasten. Denn er steht gemeinsam mit mehreren Kollegen für sein hartes Durchgreifen bei den Tumulten in Neuwiedenthal wegen Körperverletzung im Amt ebenfalls vor Gericht.
Was damals genau passiert sei, könne das Gericht durch die lückenhaften Zeugenaussagen nicht eindeutig klären, so die Richterin. Nur an den Verletzungen der Polizisten gebe es keinerlei Zweifel. Ein Polizist hatte durch einen heftigen Tritt ins Gesicht mehrere Schädelbrüche erlitten, ein anderer Verletzungen am Rücken.
Noch unmittelbar vor der Urteilsverkündung torpedierte der Anwalt des Nebenklägers und Polizeibeamten Oliver P., der auch bei der Schlägerei verletzt wurde, das Gericht mit Anträgen. Die Richterin lehnte sie ab. Ihre Begründung: Neue Erkenntnisse seien nicht zu erwarten. Die Anträge hätten lediglich zum Ziel, den Prozess weiter zu verschleppen.
Nach der Verhandlung verkündete der Anwalt des Nebenklägers: „Das Urteil ist falsch und wird sich auf die Arbeit der Polizei auswirken. Wir gehen in Revision.“ Sollte der Bundesgerichtshof das Urteil aufheben, wird der Prozess neu aufgerollt.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
87
Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 16.12.2012 | 14:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.