Freibad vor dem Aus

Teamleiter Guido Hock (r.) und Betriebsleiter Hartmut Ebert befürchten, dass sie das Eingangstor zum beliebten Freibad Neugraben nach dieser Saison vielleicht für immer schließen müssen. „So dramatisch wir jetzt war die Lage noch nie“, sagt Ebert.

Betreiber Passage kündigt Pachtvertrag – 150.000 Euro fehlen

Es sieht schwarz aus für das Freibad Neugraben: Drei Jahre lang wurde das kleine Nachbarschaftsbad durch Zuschüsse des Bezirks Harburg und der Stadtentwicklungsbehörde finanziert. In 2013 ist damit Schluss: Woher die für den Betrieb benötigten 150.000 Euro in der nächsten Badesaison kommen sollen, steht in den Sternen. Grund genug für „Passage“, seit rund 20 Jahren Betreiber des Freibads, Konsequenzen zu ziehen. „Wir haben den Pachtvertrag für das Freibad mit dem Eigentümer Bäderland gekündigt“, sagt Geschäftsführerin Gudrun Stefaniak.
Zu unsicher sei die Situation. Stefaniak: „Wir müssen Kündigungsfristen einhalten. Als Träger sind wir von der Arbeitspolitik so arg gebeutelt, dass wir kein Vierteljahr überbrücken können.“ Deshalb habe sie die fünf festangestellten Mitarbeiter bereits informiert, dass auch ihre Verträge spätestens zum Ende des Jahres gekündigt würden.
Teamleiter Guido Hock macht sich trotzdem nicht auf Jobsuche. „Ich hab in den 13 Jahren, die ich hier arbeite, schon zwei Mal eine Kündigung bekommen, und es ging doch weiter. Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Hock. So schlimm wie jetzt sei es aber noch nie gewesen, fügt er besorgt an.
Betriebsleiter Hartmut Ebert stimmt seinem Kollegen zu. Er arbeitet seit drei Jahren im Bad und weiß um dessen Wichtigkeit für den Stadtteil: „Das Freibad ist ein sozialer Treffpunkt für sämtliche Nationalitäten. Einen besseren Ort für Integration gibt es nicht“, sagt Ebert und betont: „In Badeklamotten sind alle gleich. Da gibt es keine Statussymbole.“ Wichtig wären zudem die niedrigen Eintrittspreise, die auch Menschen im Stadtteil den Freibadbesuch ermöglichen, die nicht viel Geld haben – Kinder zahlen 1,20 Euro und Erwachsene 2,50 Euro pro Tag. „Es muss eine Lösung gefunden werden“, fordert Ebert eindringlich.
Wie die aussehen könnte, weiß im Bezirksamt Harburg noch niemand. Auf eine Anfrage des Wochenblatts lässt Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) seine Pressesprecherin Beatrice Göhring antworten: „Über die Finanzierung 2013 ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Es werden zurzeit Gespräche geführt.“ Das gelte auch für die Suche nach einem neuen Betreiber. Bei der Saisoneröffnung im Mai hatte Völsch noch versichert: „Das Freibad Neugraben ist unverzichtbar und muss erhalten werden.“


Bürger-Initiative kämpft fürs Freibad
2009 gründete Mario Bugenhagen die Initiative „Rettet-das-Freibad“, um sich damals für den Erhalt „seines“ Freibads zu engagieren. Jetzt macht Bugenhagen wieder mobil. Der Neuwiedenthaler hat bereits knapp 20 Leute zusammengetrommelt und eine Demo organisiert. „Wir gehen am 16. August auf die Straße und zeigen der Politik, wie wichtig das Freibad für die Menschen hier ist“, sagt er. Treffpunkt ist um 12.30 Uhr vor dem Freibad, Neuwiedenthaler Straße 1m. Von dort ziehen die Demonstranten in Richtung Striepenweg. Mehrere Kitas und Schulen wollen sich laut Bugenhagen beteiligen. AS
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1 Kommentar
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Sebastian Jiske aus Heimfeld | 07.08.2012 | 22:06  
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