Finkenwerders letzte „Trockenfischer“

Bevor die Schollen auf die Leine wandern, müssen sie erst einmal verarbeitet werden. Mit flinker Hand schneidet Anja Meier den Schollen die Köpfe ab – natürlich im Buscherump, dem traditionellen Fischerhemd. (Foto: cam)

Anja Meier und Karin Kleinwächter lassen die Tradition des „dreugt Fisch“ wieder aufleben

Caja Meier, Finkenwerder – Anja Meier hat sich für das Wochenende etwas ganz Besonderes vorgenommen: Schollen köpfen. Das Messer wird kurz hinter dem Kopf angesetzt. Ein schneller halbkreisförmiger Schnitt, eine Vierteldrehung, ein beherzter Ruck - und schon löst sich der Kopf vom Körper. Die Innereien hängen mit dran. Später werden die Schollen dann für mindestens fünf Stunden in Salzlake gebadet und am nächsten Tag in Bündeln zum Trocknen aufgehängt.
Das Trocknen der Schollen ist auf Finkenwerder alte
Fischertradition. Doch der letzte Schollentrockner ist vergangenes Jahr gestorben. Jetzt droht der „dreugt Fisch“, oder auf Hochdeutsch: der getrock-nete Fisch, den es als Spezialität nur auf Finkenwerder gibt, Geschichte zu werden.
Anja Meier und ihre Schwester Karin Kleinwächter sind richtige Finkwarder Deerns und kennen die Fischertradition noch aus ihrer Kindheit. Für sie gehören die getrockneten Fische ein Stück zur Familientradition. „Wir sind eine richtige Fischerfamilie, wir hatten eigentlich immer dreugt Fisch zu Hause. Es ist schade, wenn eine so alte Tradition mit unserer Generation ausstirbt, denn getrocknete Scholle gehört genauso zu Finkenwerders Geschichte wie Fischkutter und Finkwarder Trachten!“

Heute eine Spezialität, früher Essen für Notzeiten

Deshalb lassen die Schwes-tern diese Tradition wieder aufleben – und trocknen jetzt Schollen in Eigenregie. Mit der Hilfe von Anja Meiers ältesten Sohn Jonas geht das Ausnehmen der Schollen ruck-zuck. Und Eile ist angesagt: „Die Schollen müssen noch im April getrocknet werden, sonst kommen die Fliegen und setzen ihre Eier in die Fische. Dann kann man sie eigentlich nur noch wegschmeißen“, weiß Anja Meier.
Früher war der getrocknete Fisch ein Lebensmittel in Notzeiten, besonders in den langen, dunklen Wintern. Heute ist er eine Finkenwerder Spezialität. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass wir als Kinder immer auf der Terrasse gesessen und die Scholle gehäutet haben, um sie dann ganz langsam zu verputzen“ erzählt Jonas. „Ich freue mich schon richtig darauf, wenn wir die Schollen wieder verspeisen können!“
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