Fazit: „Unheimlich beunruhigend“

Die Verzögerungen beim Bau des Kraftwerks kosten mehrere hundert Millionen Euro. Es ist immer noch nicht klar, wann es ans Netz geht.

Kohlekraftwerk Moorburg: Technische Probleme sorgen für mehrere Millionen Mehrkosten

von Marion Göhring
Da können die Kunden von Vattenfall nur noch mit dem Kopf schütteln: Toumo Hatakka, Deutschland-Chef des schwedischen Energiekonzerns kündigt in Interviews massive Strompreiserhöhungen in den kommenden Jahren an, und nennt auch gleich den Grund: der Ausstieg aus der Kernenergie. Und abends gibt Burkhard Römhild, Betriebsleiter des Vattenfall-Kohlekraftwerks Moorburg, im Harburger Ausschuss für Wirtschaft und Umwelt zu, dass es beim Bau des 2,6-Milliarden-Euro-Projekts erhebliche technische Probleme gebe. Dies werde die Inbetriebnahme mindestens um ein Jahr verzögern und unvorhergesehene Kosten in Höhe von „mehreren hundert Millionen Euro“ bringen.
Offenbar ist bei der Planung des Steinkohlekraftwerks in Moorburg geschlampt worden. Noch sind die beiden Heizkessel nicht einmal in Betrieb, aber schon jetzt sind an Rohrleitungen Risse aufgetreten. Römhild beteuerte zwar, dass dies weder für die Bauarbeiter noch für die Anwohner gefährlich sei, warum an den Schweißnähten der Rohre allerdings Leckagen entstanden sind, bestehe bei den Fachleuten „keine vollständige Einigkeit“. Nun überlege man, wie man das alles in den Griff bekomme.
Erschreckend, was da in dem Bericht alles zu Tage kam. Klaus Lübberstedt, Bezirksabgeordneter von Die Linke hatte den Bericht von Römhild angefordert. Aber wie er waren auch die Vertreter der anderen Fraktion mit den technischen Details überfordert. Wer weiß schon, was es mit dem japanischen Spezialstahl T24 auf sich hat? Es ist schon schwer nachvollziehbar, dass mit T24 ein Werkstoff verwendet wurde, mit dem es nach Auskunft von Römhild noch keinerlei praktische Erfahrungen gibt. Römhild: „Wir sind da die Opfer des Strebens nach höchster Effizienz, Deutschland ist da weltweit führend.“ Die Effizienz könne nur durch Erhöhung des Drucks und der Temperaturen erreicht werden. Die Kessel in Moorburg sollen mit einem Druck von 286 bar und einer Temperatur von 610 Grad Celsius arbeiten. Was das heißt, ist für Laien allerdings nicht nachzuvollziehen.
Lübberstedts Fazit: „Was wir hier heute gehört haben, ist unglaublich beunruhigend.“
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