Fallen 1.500 Bäume der Kettensäge zum Opfer?

Noch stehen 1.500 Bäume auf dem 55 Hektar großen ehemaligen Gelände der Röttiger Kaserne. Der Bezirk hat jedoch bereits auf Antrag der Finanzbehörde für alle Bäume Fällgenehmigungen erteilt. (Foto: Matthias Greve)

Finanzbehörde will Gelände der Röttiger Kaserne an der Fischbek Heide vollständig abholzen

Wohnen im Grünen – so war das Neubaugebiet auf dem Gelände der Röttiger Kaserne direkt an der Fischbeker Heide einst konzipiert worden. Diese Pläne sind Geschichte: Zuerst erhöhten Finanzbehörde und der SPD-geführte Bezirk Harburg die Zahl der ursprünglich 450 vorgesehenen Wohn-einheiten auf 774. Und jetzt sollen womöglich alle 1.500 Bäume, die noch auf dem rund 55 Hektar großen Areal stehen, gefällt werden. Der Grund: Unter ihnen könnten Bomben liegen.
„Die Fläche steht vollständig unter Blindgängerverdacht“, erklärt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde. „Wir holen uns prophylaktisch Fällgenehmigungen für alle Bäume, weil wir nicht ausschließen können, dass wir sie brauchen“, erklärt der Sprecher weiter. Gefällt werden darf frühestens am 1. Oktober – so regelt es die Baumschutzverordnung. Die Bäume müssten weg, weil der Boden der Röttiger Kaserne so großflächig mit Metallen belastet sei, dass man ihn Schicht für Schicht abtragen müsse. Eine punktuelle Sondierung reiche da nicht, so Stricker.
Harburgs CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer sieht den Grund für die Fällungen woanders: „Es ist einfach billiger die Bäume zu fällen, anstatt unter ihnen zu sondieren. Die Finanzbehörde will 4,5 Millionen Euro ausgeben. Dafür kann man nur das Billigste machen.“ Seine Partei nimmt weder die erhöhten Wohneinheiten noch den geplanten Kahlschlag hin und unterstützt ein Bürgerbegehren, für das die Unterschriftensammlung demnächst starten soll. „Das Bürgerbegehren wird um den Schutz des wertvollen Baumbestandes ergänzt“, erklärt Fischer. Auf dem Gelände seien bereits 600 Bäume an Stellen gefällt worden, wo später Häuser gebaut werden sollen. Fischer: „Das ist unstrittig. Die übrigen 1.500 Bäume jedoch stören überhaupt nicht.“ Er vermutet, dass der Bezirk noch mehr Wohnungen auf dem Gelände bauen will und dafür jetzt den Weg ebnet.
„Diese Diskussion gehört nach Absurdistan“, kontert Jürgen Heimath, Harburgs SPD-Chef. Die Sondierung sei ausschließlich aus Sicherheitsgründen notwendig. „Tabula rasa zu machen, ist jedoch nicht sinnvoll. Die Verhältnismäßigkeit muss gewährleistet sein“, betont Heimath. Deshalb sei es jetzt wichtig, mehr über die nötigen Arbeiten zu erfahren. Vertreter des Kampfmittelräumdienstes sollen möglichst noch im nächsten Stadtplanungsausschuss darüber informieren.
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