Estesperrwerk ab Montag dicht: Cranzer Anwohner sind sauer

Ab April führt für viele Cranzer der Weg nach Neuenfelde und in Richtung Hamburg über das Alte Estesperrwerk. Die Fußgängerbrücke ist allerdings nicht behindertengerecht. Autofahrer müssen einen rund zehn Kilometer langen Umweg über Königreich fahren. (Foto: Annekatrin Buruck)
 
Die Sperrung des Estesperrwerks hat nicht nur Auswirkungen auf Cranz, sondern auf die ganze Gegend bis weit ins Alte Land, meint Boy Friedrich vom Arbeitskreis Cranz. „Die Restaurants und Cafés werden starke Umsatzeinbußen haben, gerade während der Obstblüte“, ist er sicher. Aber auch die anderen Gewerbetreibenden werden die Straßensperrung deutlich spüren. (Foto: Annekatrin Buruck)

Autofahrer und Fußgänger müssen sich fünf Monate lang auf Umwege einstellen

Annekatrin Buruck,
Neuenfelde/Cranz
Am 2. April wird es ernst: Bis voraussichtlich Mitte September wird die Straßenbrücke über das Estesperrwerk wegen Reparaturarbeiten geschlossen. In Cranz und Neuenfelde ist der Unmut schon jetzt groß. Autofahrer müssen künftig einen rund zehn Kilometer langen Umweg über Königreich fahren. Die Fähre Blankenese-Cranz endet in der Woche am Anleger Neuenfelde. Die Buslinie 150 fährt nur bis zur Haltestelle „Alter Fährweg“ auf Neuenfelder Gebiet. Die Fahrgäs-te müssen von dort aus über die Fußgängerbrücke des alten Estesperrwerks hinüber nach Cranz gehen. Die Buslinie 257 endet ab April kurz hinter der Sietas-Werft.
Das ist besonders für die Kinder der Grundschule Cranz ein Problem. Die meisten von ihnen kommen aus Neuenfelde. Normalerweise fahren sie mit der Buslinie 257 direkt bis vor die Schule. „Jetzt müssen sie am Alten Estesperrwerk aussteigen und von dort zu Fuß zur Schule gehen“, ärgert sich Stefanie Hartun aus Neuenfelde. Sie hat zwei eigene Kinder und zwei Tageskinder an der Schule. „Die brauchen rund 20 Minuten“, weiß sie aus der Erfahrung früherer Sperrungen. „Außerdem war der Bus oft nicht pünktlich, so dass die Kinder zu spät zur Schule kamen.“
Stephan Achilles, Vertreter der Cranzer Eltern und zweifacher Vater, empfindet den Weg über den ungeschützten Deich für die Kinder als sehr unangenehm, „vor allem, weil sie oft schwere Ranzen oder Turnbeutel dabei haben“, begründet er.
Auch Ältere, Behinderte und Eltern mit Kinderwagen werden unter der Sperrung leiden, so Boy Friedrich vom Arbeitskreis Cranz: „Denn die Fußgängerbrücke über die Este ist immer noch nicht behindertengerecht umgebaut, wie es eigentlich geplant war.“
Dass das Estesperrwerk repariert werden muss, sehen die Bürger durchaus ein. Sie erwarten aber, dass sie von den Verantwortlichen, der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) und den Verkehrsbetrieben besser informiert werden und dass nach Alternativen gesucht wird. „Ich hoffe, dass die Schulbehörde einen Schulbus von Neuenfelde nach Cranz über Königreich organisiert“, gibt Stephan Achilles die Meinung vieler Eltern wieder.



Das sagen Hafenbehörde und Hochbahn:
Zum Unmut der Cranzer Bürger über die Sperrung erklärt Alexander Schwertner, Pressesprecher der HPA: „Wir haben die Bevölkerung mehrfach vor Ort informiert“. Die lange Bauzeit begründet er so: „Wir wissen noch nicht genau, was uns erwartet.“ Schließlich sei immer noch nicht geklärt, weshalb das Tor des Sperrwerks nach oben gedrückt worden war. Ein unter anderem vom Arbeitskreis Cranz geforderter Mehrschichtbetrieb würde maximal zwei bis drei Wochen Zeit-ersparnis bringen. Schwertner: „Wir sind bei unseren Arbeiten von der Tide abhängig.“ Auch seien bestimmte Baumaßnahmen, wie zum Beispiel das Trocknen von Beton, nicht zu beschleunigen. Immerhin werde das Sperrwerkstor über das Osterwochenende und zum Apfelblütenfest vom 4. bis 7. Mai geöffnet, so dass die Fähre bis zum Anleger Cranz fahren kann. Der geplante behindertengerechte Umbau des Alten Estesperrwerks habe sich durch die Insolvenz der beauftragten Baufirma verzögert.
Zu einem möglichen Bus-Pendeldienst innerhalb von Cranz erklärt Hamburger Hochbahn-Sprecherin Maja Weihgold: „Bei früheren Sperrungen wurde ein solcher Dienst kaum angenommen, aber wir prüfen, ob wir ihn doch wieder einrichten.“ Ein Schulbus der Linie 257 von Neuenfelde nach Cranz über Königreich ist dagegen nicht geplant. Allerdings werde für die Schulkinder ein Zebrastreifen an der Haltestelle „Alter Fährweg“ eingerichtet. BK
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