Erst ausgezeichnet, dann abkassiert

Für sein couragiertes Verhalten wurde Maik Borkenhagen im Dezember von der Polizei ausgezeichnet. Als Geschenk überreichte ihm Polizei-Verkehrsdirektor Jens Lodahl eine Uhr. (Foto: Foto: pr)

Fischbeker fährt brennendes Auto aus Elbtunnel, Feuerwehr schickt Rechnung über 225 Euro

Als Maik Borkenhagen vor Kurzem die Post öffnete, konnte er kaum glauben, was er las: „Kostenerstattungsbescheid über 225 Euro“ stand dort fett gedruckt in bestem Bürokratendeutsch. Das Geld soll der 31-Jährige für einen Einsatz der Feuerwehr zahlen. Denn am 19. Dezember musste sie Borkenhagens brennenden Passat vor dem Elbtunnel löschen. Zuvor hatte der Fischbeker den Wagen, der mitten im Tunnel plötzlich zu qualmen begann, ohne lange zu zögern und mit aus dem Fenster hängendem Kopf aus der Röhre gefahren, um andere Autofahrer nicht zu gefährden. Für sein vorbildliches Verhalten gabs ein dickes Lob von der Polizei und eine Armbanduhr als Auszeichnung.
Jetzt versteht Borkenhagen die Welt nicht mehr. „Zuerst werde ich als Held gefeiert und dann zur Kasse gebeten. Das darf doch nicht wahr sein“, sagt er wütend. Noch etwas ärgert den Lehrer, der an einer Neugrabener Schule Mathematik und Gesellschaft unterrichtet: „Nach dem Unfall habe ich in einem klaren Moment gefragt, was jetzt auf mich zukommt. Ein Feuerwehrmann sagte, ich solle mir keinen Kopf machen. Es sei schließlich ein Notfall gewesen und das würde nichts kosten“, erinnert er sich.
Laut Feuerwehr-Sprecher Manfred Stahl eine Fehleinschätzung. Borkenhagens Ärger könne er verstehen, doch die Rechnung habe trotzdem ihre Richtigkeit. „Rein faktisch geht es hier um zwei verschiedene Paar Schuhe“, so Stahl. „Zum Einen ist Herr Borkenhagen seiner Bürgerpflicht nachgekommen, sich so zu verhalten, dass andere nicht zu Schaden kommen und wurde dafür von der Polizei gewürdigt. Zum anderen bleibt er für seinen Wagen verantwortlich und der Einsatz der Feuerwehr ist ganz klar gebührenpflichtig.“ Sein couragiertes Verhalten ändere daran nichts. „Als Bürger ist er nicht anders zu behandeln wie jeder andere auch“, betont Stahl. Borkenhagen bliebe jetzt nur noch, Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen. Doch der habe wenig Aussicht auf Erfolg, so der Feuerwehrsprecher.
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