Ermordet, weil er nicht perfekt war

Nele Barghusen, Lefke Sandrock, Wilma Luth, Julia Klindworth (Gymnasium Finkenwerder) und Rumeysa Yigit (Stadtteilschule Finkenwerder) recherchierten zum Schicksal des NS-Opfers Hermann Quast. (Foto: pr)

Finkenwerder: Der erste Stolperstein wird zum Gedenken an das NS-Opfer Hermann Quast am Mittwoch gesetzt

Finkenwerder - Am nächsten Mittwoch, 4. März, wird er gesetzt: der erste Stolperstein in Finkenwerder. Er wird an Hermann Quast erinnern.

Wer war Hermann Quast?
Er war sieben Jahre alt, als er dem staatlich organisierten
Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten (NS) zum Opfer fiel. Hermann Quast wurde ermordet, weil er – wie es in der Begründung heißt – „weder geistig noch körperlich seinem Alter entsprechend entwickelt“ war.

Wie kam das Schicksal von Hermann Quast zu Tage?
In einer Projektwoche vor den Sommerferien startete eine Mittelstufengruppe des Gymnasiums Finkenwerder das Forschungsprojekt „Leben mit Behinderung“. Fünf Schülerinnen der gemeinsamen Oberstufe des Gymnasiums und der Stadtteilschule Finkenwerder führten das Projekt weiter: Nele Barghusen, Julia Klindworth, Wilma Luth, Lefke Sandrock und Rumeysa Yigit. Sie forschten im Archiv der Evangelischen Stiftung Alsterdorf zum kurzen Schicksal von Hermann Quast. Unterstützt wurden sie dabei von Hannelore Fielitz, Lehrerin am Gymnasium Finkenwerder, und Klaus Möller, Sprecher der „Initiative Gedenken in Harburg“.

Wann und wo wird der Stolperstein gesetzt?
Am Mittwoch, 4. März, um 9 Uhr in der Benittstraße 26. Den Stein entwarf der Künstler Gunter Demnig. Ob er ihn auch setzen wird, ist derzeit noch unklar. Der Stolperstein wird einer von insgesamt 40.000 Steinen in 18 europäischen Ländern sein.

Was ist das Besondere an einem Stolperstein?
Stolpersteine werden nicht vom Staat in Auftrag gegeben, sondern von Menschen, die vor Ort wohnen. Sie werden aus Spenden bezahlt.
Der Stein mit seiner glänzenden Oberfläche sticht ins Auge. Der eingravierte Text auf der Oberseite der handtellergroßen Messingplatte beginnt mit den Worten „Hier wohnte ...“. Es folgen Vor- und Zuname, das Geburtsdatum, der Deportationsort und der Todestag.
Stolpersteine halten die Erinnerung an Menschen ohne Grabstätte wach, die im NS-Regime ums Leben kamen. Eingelassen in den Gehweg vor den Hauseingängen ihrer letzten Wohnsitze oder Arbeitsplätze, erinnert der Text auf dem Stein jeweils an ein tragisches
Schicksal.

Wird es in Finkenwerder noch einen Stolperstein geben?
Vielleicht. Genügend Geld für einen zweiten Stein wurde bereits gespendet.
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