Entlassungswelle auf der Sietas Werft

Die Zukunft der Sietas Werft bleibt ungewiss. Nach einer ersten Entlassungswelle könnten weitere folgen – bis ein Investor gefunden ist. (Foto: Annekatrin Buruck)

Neuenfelde: Jeder Dritte verliert seinen Job

Auf der Sietas Werft geht die Angst um: Bis Mai werden 350 der rund 1.000 Arbeitsplätze gestrichen. „Jeder hofft, das der Kelch der Arbeitslosigkeit an ihm vorbeizieht“, sagt Sietas-Betriebsrat Peter Bökler. Im November hatte die Traditionswerft Insolvenz angemeldet; seitdem läuft die bisher ergebnislose Suche nach einem In-vestor. Derzeit werden auf der Werft eine Fähre und ein Baggerschiff gebaut – das sei nicht genug Arbeit für alle Mitarbeiter, so das Unternehmen.
Wer gehen muss, ist noch offen. „Wir werden eine soziale Auswahl treffen“, erklärt Bökler. Berück-sichtigt werden zum Beispiel Alter der Beschäftigten und die Länge ihrer Betriebszugehörigkeit. Nicht von den Kündigungen betroffen sind die 43 Auszubildenden. Fest steht jedoch, dass zum 1. Februar 120 und zum 1. Mai 130 Werftarbeiter ihren Hut nehmen müssen. Sie werden zunächst in einer Transfergesellschaft aufgefangen, in der sie einige Monate lang unter anderem Bewerbungstraining bekommen und nach Möglichkeit in anderen Firmen untergebracht werden. Alles weitere regelt ein Sozialplan, den der Insolvenzverwalter zusammen mit der Sietas-Personalabteilung, dem Betriebsrat und der IG Metall ausarbeitet. Bisher sei die Zusammenarbeit gut, so Eckard Scholz von der Gewerkschaft.
Für die zur Sietas Gruppe gehörende Neuenfelder Maschinenfabrik steht bereits ein Sozialplan. Auch hier wird die Belegschaft zusammenschrumpfen: 100 Mitarbeiter wissen bereits, dass sie gehen müssen. Sie werden für die doppelte Zeit ihrer Kündigungsfrist, maximal aber für zwölf Monate, in einer Transfergesellschaft aufgefangen. „Die Betroffenen werden relativ weich abgefedert und haben eine zeitliche Perspektive. Sie fallen nicht in ein Loch“, sagt Betriebsrat Klaus Bassen. Dennoch sei es ein „Schlag für die Firma“, so viele Mitarbeiter zu verlieren, so Bassen. Die Stimmung in der Belegschaft sei denkbar schlecht.
Findet sich kein Investor für die Sietas Werft, könnten weitere Kündigungen folgen, heißt es von Seiten des Unternehmens. Der vorläufige Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann führt nach eigenen Angaben ständig Gespräche mit Interessenten. Zudem hofft Brinkmann, noch im Januar einen Vertrag mit einem holländischen Unternehmen für den Bau eines Offshore-Windkraft-Transport-Schiffes abzuschließen.
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