Endstation Watt

Bei Niedrigwasser sieht es in der Elbe bei Neuenfelde aus wie im Wattenmeer: Auf Sandbänken rasten Vögel. (Foto: Annekatrin Buruck)

Schlick bringt Fährverkehr Blankenese-Cranz zum Erliegen

von Annekatrin Buruck, Neuenfelde/Cranz
Bei Ebbe sieht es aus wie im Wattenmeer: Direkt hinter dem Estesperrwerk ragen Sandbänke aus der Elbe, Vögel rasten dort. Lediglich im Bereich der Fahrrinne für die Fähre Cranz-Blankenese ist das Wasser tiefer.
Allerdings nicht tief genug. „Bei Niedrigwasser kann die Fähre immer seltener bis zum Anleger Cranz fahren“, erzählt Gudrun Schittek vom Arbeitskreis Cranz. „Oft ist es so schlimm, dass der Dampfer nicht einmal den Anleger Neuenfelde direkt am Sperrwerk anfahren kann, sondern nach Finkenwerder ausweicht“, ergänzt sie. Die Pendler müssen dann mit dem Bus zurück nach Cranz fahren. Schuld daran sei die Verschlickung des Mühlenberger Lochs und der Este vermutet Schittek.
Das sieht auch Karl Tamke, Vorsteher des Hauptentwässerungsverbandes der Dritten Meile Alten Landes, so. „Seit der Airbus-Erweiterung ins Mühlenberger Loch ist es schlimmer geworden“, erklärt er. „Pro Jahr wachsen die Sedimentablagerungen um rund zehn Zentimeter.“
Hadag-Chefin Gabriele Müller-Remer dagegen versteht die Aufregung nicht. „Das Problem ist so alt wie die Fährlinie“, meint sie. Schwierigkeiten gebe es besonders dann, wenn Niedrigwasser und Ostwind zusammenkommen. Durchschnittlich ein- bis zweimal im Monat müsse das Schiff daher nach Finkenwerder statt nach Cranz fahren.
Müller-Remer hat den Pendlern angeboten, vor einer geplanten Fahrt bei der Hadag anzurufen, um zu erfahren, wie weit und wohin die Fähre fährt. Das tut auch Gudrun Schittek; eine wirkliche Lösung sieht sie darin aber nicht. „Der Schlick im Mühlenberger Loch und der Este muss regelmäßig ausgebaggert werden“, fordert sie.
Dafür ist die Hamburg Port Authority (HPA) zuständig. Nach einem Vertrag aus dem Jahr 1982 ist es Aufgabe der Hafenverwaltung, die Fahrrinne für die kurz vor der Este-Mündung liegende Sietas-Werft freizuhalten. „Davon hat auch die Fähre Cranz-Blankenese profitiert“, erklärt HPA-Sprecher Alexander Schwertner. Seit Sietas aber immer weniger Schiffe baut, wird auch weniger gebaggert.
Von der Stadt Hamburg fühlen sich die Cranzer daher mehr und mehr allein gelassen. Sie sehen wie Karl Tamke nur eine Lösung des Problems: „Man muss baggern.“
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