Ein Süppchen für mehr Offenheit

Jens Marcus Wasserstraß und Nurdan Cezayireli kennen sich schon eine Weile. Die Aschura-Suppe hingegen war ihm bisher unbekannt. (Foto: Rosa Ende)

Muslimische Frauen verteilen Aschura-Suppe in Neugrabens Marktpassage

von Rosa Ende, Neugraben
Die Kälte und die kräftigen Schnee- und Regenschauer scheinen Nurdan Cezayireli nichts anhaben zu können. Seit drei Stunden steht sie gemeinsam mit anderen Frauen der Islamischen Gemeinde Neugraben in der Neugrabener Marktpassage und verteilt Aschura-Suppe.
„Was ist denn da drin?“, möchte eine ältere Dame wissen. „Das ist eine süße Speise, die aus Kichererbsen, Bohnen, Aprikosen, Nüssen und vielen andere Sachen zubereitet wird“, erklärt Cezayireli. Die Suppe, erzählt sie weiter, soll an die Rettung der Arche Noah vor der Sinnflut erinnern. Noahs Familie habe zur Feier der Rettung ein Festmahl zubereiten wollen. Aus den wenigen und sehr unterschiedlichen Vorräten, die sich noch an Bord befanden, kochte sie dann eine Suppe.
Für die Frauen der islamischen Gemeinde ist die Suppe auch ein Sinnbild für ein gutes Zusammenleben der Religionen und Kulturen: Unterschiedliche Zutaten, die sich einzeln noch herausschmecken lassen, bilden einen harmonischen Gesamtgeschmack.
Traditionell wird die süße Leckerei an Verwandte, Freunde und Nachbarn verteilt. „Die Suppe zu verteilen, ist eine schöne Möglichkeit, mit unseren Nachbarn ins Gespräch zu kommen, uns kennenzulernen und damit weniger fremd zu sein“, sagt Nurdan Cezayireli.
Eine Idee, die aufgeht. Von den gut 600 in Schälchen abgefüllten Portionen Aschura-Suppe sind nach drei Stunden nahezu alle verschenkt. „Natürlich ist nicht jeder gleich stehen geblieben, aber es kamen viele Neugierige an unseren Stand“ freut sich Cezayireli.
Während eine ältere Dame noch etwas skeptisch guckt, die in eine Plastikdose gefüllte Suppe aber letztlich einsteckt, plaudert Jens Marcus Wasserstraß ganz vertraut mit den moslemischen Frauen. Als Mitglied des Kirchenvorstandes der Michaelisgemeinde kennt er einige von ihnen, denn beide Gemeinden veranstalten regelmäßig einen interreligiösen Gesprächskreis. Aus dieser Erfahrung weiß er: „Gespräche verändern und schaffen mehr Offenheit.“
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