„Ein schwarzer Tag für die Umwelt“

Das Kraftwerk Moorburg liefert seit Sonnabend Strom ins Netz. Es höchst umstritten, denn hier wird aus Steinkohle Strom gewonnen. Tonnen von Kohlendioxid und Quecksilber werden in die Luft gepustet. (Foto: Seehagel)

Kohlekraftwerk Moorburg jetzt offiziell in Betrieb genommen – Umweltschützer empört

Moorburg - Jetzt ist es ganz offiziell am Netz: das Kraftwerk Moorburg. Ein Jahr dauerte der Probe- und Testbestrieb. Für den Betreiber Vattenfall ist es eines der modernsten Kohlekraftwerke Europas, für Umweltschützer eine gigantische Dreckschleuder.

Wie viel Strom produziert das Kraftwerk?
Der Kraftwerksblock B der Doppelblockanlage hat eine elektrische Leistung von 827 Megawatt und kann rund 5,5 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Dies entspricht dem Stromverbrauch von etwa 1,8 Millionen Haushalten. Geht das Atomkraftwerk Brockdorf wie geplant 2021 vom Netz, ist Moorburg das einzige große Kraftwerk im Norden.
Doch es wird nur noch als Lückenfüller gebraucht­ ­ ­– und für die Industrie: das Alu-Werk Trimet, die Kupferhütte Aurubis und das Stahlwerk Arcelor Mittal verbrauchen zusammen rund ein Drittel des Hamburger Stroms, sind auf sichere Stromversorgung angewiesen.

Warum gibt es Streit?
Moorburg ist ein Kraftwerk, das aus Steinkohle Strom erzeugt. Bei voller Auslastung werden pro Jahr 8,5 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft gepustet. „Das ist ein rabenschwarzer Tag für den Klimaschutz und die Umwelt“, sagt Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.
Kraftwerksleiter Karsten Schneiker hält dagegen: „Die Anlage stößt 2,3 Millionen Tonnen weniger aus als ein Kohlekraftwerk älterer Bauart.“
Dazu kommen noch 1,12 Tonnen Quecksilber, die bei voller Auslastung beider Kraftwerksblöcke ausgestoßen werden dürfen. „Es ist eine erhebliche Zunahme der Schadstoffbelastungen zu erwarten. Insbesondere die Bewohner der Stadtteile Wilhelmsburg und Harburg werden damit gesundheitlichen Risiken ausgesetzt“, kritisiert Dora Heyenn (Die Linke).

Warum ging das Kraftwerk erst jetzt in Betrieb?
Eigentlich sollte es im Jahr 2012 fertiggestellt sein. Doch eine Panne folgte auf die nächste und Auflagen für den Umweltschutz mussten erfüllt werden.

Wie teuer war das Kraftwerk?
Die Baukosten stiegen von 1,7 auf knapp drei Milliarden Euro.

Rechnet sich das Kraftwerk?

Das ist fraglich. „Die Erlöse aus dem Stromverkauf sind höher als die Kosten der Stromerzeugung“, gibt sich Pieter
Wasmuth, Vattenfall Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland, opti-mistisch. Doch: Vattenfall rechnete mit Gewinnen aus der Fernwärme. Die Fernwärmeleitung durch Altona wurde indes gerichtlich gestoppt.
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
3.671
Horst Seehagel aus Neugraben | 03.03.2015 | 14:37  
93
Ulrich Tamm aus Neugraben | 09.03.2015 | 17:09  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.