Ein Haus für Musiker?

Ein echtes Schmuckstück, es ist nur unerträglich laut: das Haus Großmoordamm 1. (Foto: mag)

Bundesbahn verkauft denkmalgeschütztes Gebäude Ecke Großmoordamm/ Schlachthofstraße

Bernhard Bruno, Harburg - Auf den ersten Blick klingt es wie ein Traum: Mitten in Harburg ist ein denkmalgeschütztes Haus zu verkaufen. Es hat 38 Zimmer, verteilt auf Erdgeschoss, ersten Stock und Dachgeschoss, insgesamt kann man sich auf knapp 900 Quadratmeter austoben. Alles zusammen soll rund 90.000 Euro kosten, aber darüber kann auch noch verhandelt werden.
Die Sache hat nur einen Haken: In dem Haus ist es ziemlich laut, wahrscheinlich sogar unerträglich laut. Das Praxis- und Wohngebäude steht an der Ecke Großmoordamm/ Schlachthofstraße, an einer belebten Kreuzung also. Das ist aber nicht so schlimm, weil das Haus ein paar Meter unter dem Straßenniveau steht, ein Teil des Straßenlärms wird wohl einfach oben drüber gehen. Viel schlimmer: Das Haus steht direkt neben den Gleisen von einer der meist befahrenen Eisenbahnstrecken Deutschlands. Hier donnern rund um die Uhr alle Intercity, Nah- und Fernverkehrszüge, Metronome, Güterzüge, darunter täglich der schwerste Erzzug Europas (Zubringer der Alu-Werke in Finkenwerder), vorbei. Kein Wunder, dass das Gebäude, dessen erster Teil aus dem Jahr 1910 stammt, nicht mehr für eine Wohnnutzung zugelassen ist.
Verkäufer ist das „Bundeseisenbahnvermögen“. Die Behörde verwaltet alle Güter, die nach der Teilprivatisierung der Bahn staatlich blieben. In der „Dienststelle Nord, Außenstelle Hamburg“ sitzt Marlies Langner-Heitmann und hat bis Montag, 22. September, auf Angebote gewartet. Nach Ablauf der Frist teilte sie auf Nachfrage mit: „Ja, es sind Angebote eingegangen. Nun müssen wir sie erst einmal prüfen.“
Ob es konkrete Pläne für die Nutzung gibt, ist nicht bekannt. Eigentlich ist es ideal für Künstlerateliers oder als Probestätte für Musiker geeignet. Über Lärm dürfte sich hier wohl keiner beschweren – allenfalls ein Hausmeister. Der darf hier nämlich ausnahmsweise wohnen.
Auch wenn das Haus nicht verkauft wird – verfallen dürfte es kaum. „Da passen wir Harburger schon sehr genau auf“, sagt Werner Gottwald, der viel mit dem Fahrrad unterwegs ist und jedes nicht bewohnte Haus sofort auf der Internetseite leerstandsmelder.de einträgt.
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