Ein Baum nach dem anderen verschwindet

Viele der alten Bäume auf Karin Schlobohms Fotos vom Grundstück gegenüber sind nicht mehr da. „Wenn hier noch etwas gefällt wird, werde ich munter“, sagt sie sauer.
 
Nachdem am 3. März die letzte Kiefer auf diesem Grundstück am Fischbeker Moor gefällt wurde, steht dort kein Baum mehr.

Anwohnerin klagt über Kahlschlag im Fischbeker Moor

Das laute Knattern einer Kettensäge lässt Karin Schlobohm am Morgen des 3. März aufschrecken. Schnell läuft die 67-Jährige zum Fenster, denn sie ahnt schon, was draußen los ist: Es werden Bäume abgesägt! „Meine Nachbarn von gegenüber ließen eine etwa sechs Meter hohe Kiefer fällen. Jetzt ist ihr Grundstück vollkommen kahl!“, berichtet Schlobohm entsetzt.
Seit Jahren verschwindet in ihrer Straße ein Baum nach dem anderen, klagt die Rentnerin. Als sie vor 23 Jahren das Reihenhaus im Fischbeker Moor 1b bezog, sah die Nachbarschaft noch ganz anders aus. An die zwei alten Kiefern, eine Lerche und zwei Eichen auf den beiden Nachbargrundstücken gegenüber erinnern nur noch Schlobohms alte Fotos. „Durch die Fällungen verändert sich das Straßenbild massiv“, ärgert sie sich. „Dieser Kahlschlag muss aufhören!“
Schlobohm beschließt, nicht weiter tatenlos zuzusehen.
Die pensionierte Rechtspflegerin weiß, dass nach der Baumschutzverordnung ab dem 1. März keine Bäume gefällt werden dürfen. „Ich habe die Polizei angerufen. Man sagte mir, es läge eine Genehmigung vor. Damit war die Sache für die Polizei erledigt“, so die Fischbekerin wütend. „Aber warum wurde
die Genehmigung erteilt? Der Baum war kerngesund und kerzengerade. So wird die Baumschutzverordnung ad absurdum geführt!“
Bezirksamt-Sprecherin Beatrice Göhring widerspricht: „Der Baum hatte eine Schräglage, und es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass er auf die Straße fällt. Von ihm ging eine Gefahr aus, da mussten wir handeln.“ Davon habe sich ein Mitarbeiter des Bezirksamts vor Ort überzeugt. Zudem müssten Schlobohms Nachbarn für die gefällte Kiefer in der nächsten Vegetationsperiode einen Baum nachpflanzen, so Göhring weiter.
Darüber wie viele Bäume in den vergangenen Jahren im Fischbeker Moor gefällt wurden, kann Göhring nur lückenhafte Angaben machen. „Seit 2001 waren es mindestens 38“, so die Sprecherin. Jedoch gebe es für die Jahre 2007 bis 2009 keine Aufzeichnungen mehr. Alle gefällten Bäume seien nicht mehr verkehrssicher gewesen – entweder hatten sie morsche Stämme, wuchsen zu schräg oder waren krank. Harburgs Bau- und Umweltdezernent Jörg Penner bedauert, dass sich das Gesamtbild der Straße verändert hat. „Es gab aber keine Alternative zu den Fällungen“, sagt Penner und versichert: „Wenn es irgendwie geht, versuchen wir Bäume zu erhalten.“


Wann darf ein Baum gefällt werden?
Laut Baumschutzverordnung der Stadt Hamburg dürfen Bäume und Hecken nicht ohne Genehmigung des zuständigen Bezirksamtes gefällt werden. Damit diese erteilt wird, muss einer dieser Gründe vorliegen: der Baum droht umzustürzen, er ist von geringer Bedeutung und verhindert ein Bauvorhaben oder er verdunkelt alle Räume eines Hauses so, dass die Wohnnutzung erheblich beeinträchtigt ist. Ganz ohne Genehmigung dürfen Obstbäume sowie Einzelbäume mit einem Stammdurchmesser von unter 25 Zentimeter in 1,30 Meter Höhe gefällt werden.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es zwischen dem 1. März und dem 30. September verboten, Bäume zu fällen, auch solche, die sonst nicht geschützt sind. Im Einzelfall kann das Bezirksamt Ausnahmegenehmigungen erteilen, wenn von dem Baum eine akute Gefahr ausgeht.
Kontakt: Bezirksamt Harburg, Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt, Naturschutz, Harburger Rathausplatz 6, Tel. 428 28-0, naturschutz@harburg.hamburg.de AS
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