Dieses Grundstück hat ihm nur Pech gebracht

Seit 2002 gehört das Grundstück an der viel befahrenen Cuxe Mevlüt Yilmaz. Bisher hatte er nur Ärger damit.
 
So sieht laut Harburger Verwaltung ein Wohngebiet aus: Rechts neben dem Einfamilienhaus auf dem Grundstück von Mevlüt Yilmaz liegt ein Reifenhandel.

Eigentümer darf zwischen mehreren Betrieben keinen Autohandel eröffnen – Verwaltung: „Das ist ein Wohngebiet!“

Mevlüt Yilmaz hatte große Pläne, als er 2002 das 1.350 Quadratmeter große Grundstück an der Cuxhavener Straße 367a kaufte. Eine Million Euro wollte er investieren und einen Autohandel mit sieben Mitarbeitern eröffnen. Doch daraus wurde nichts. Das Harburger Bauamt machte dem Unternehmer einen Strich durch die Rechnung. Denn per Bebauungsplan ist das Grundstück nur für Wohnungsbau und nicht für Gewerbe vorgesehen. „Hier sind doch überall Betriebe“, sagt Yilmaz kopfschüttelnd. „Da kommt man ja nicht drauf, dass das ein allgemeines Wohngebiet ist.“ Tatsächlich grenzen ein Verlag mit Druckerei und ein Reifenhandel an sein Grundstück, gegenüber befindet sich bereits ein Autohaus.
Yilmaz versteht nicht, warum das Bauamt bei einigen seiner Nachbarn Ausnahmen zuließ, bei ihm jedoch hart bleibt. Viele Jahre lang klagte der Deutschtürke, bis ihm 2006 die Puste ausging. Jetzt nimmt der gebürtige Harburger den Kampf mit der Verwaltung erneut auf – mit einem neuen Plan. „Ich möchte einen Gebrauchtwagenhandel aufmachen“, sagt er. Doch den Ende Juni eingereichten Bauantrag für das kleine Büro-Gebäude und den Stellplatz für rund 15 Autos hat das Bauamt bereits abgelehnt. Begründung: Sein Handel würde in dem allgemeinen Wohngebiet stören und sei deshalb nicht zulässig. „Wen soll man hier stören, zwischen zwei Betrieben?“ fragt er ungläubig. Gegen den Bescheid legte Yilmaz Widerspruch ein. Dieses Mal will er nicht locker lassen. Wann über den Widerspruch entschieden wird, kann Bezirksamtssprecherin Beatrice Göhring nicht sagen, nur so viel: „Wir prüfen zurzeit.“
Für Yilmaz steht eines jetzt schon fest: Auf dem Grundstück könne man nicht wohnen! Denn um überhaupt Einnahmen aus seinem Besitz zu haben, vermietete er vor drei Jahren das Einfamilienhaus, das auf dem Grundstück steht, und hat nur Ärger damit. „Seit zwei Jahren macht mir die Mieterin Druck wegen Lärm“, sagt er. In dem 1926 erbauten 95 Quadratmeter-Haus wohnt Barbara Chojecka mit ihrem Mann und fünf Kindern. „Wir haben hier nur am Sonntag Ruhe“, berichtet sie wütend. „In der Woche geht um acht Uhr morgens das Hupkonzert beim Reifenhandel nebenan los. Dann ist an Schlafen nicht mehr zu denken. Und Freitagnacht macht die Druckerei nebenan einen Heidenlärm.“ Von dem Autolärm der vierspurigen Cuxe gar nicht zu sprechen. „Mit dem müssen wir ja alle
leben“, sagt sie resigniert.


Das sagt die Politik:
Harburgs CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer versteht nicht, warum sich die Verwaltung gegen die Baupläne von Mevlüt Yilmaz sperrt. „Der Bebauungsplan ist inhaltlich aus unserer Sicht vollkommen überholt. Es ist Unfug, an dieser Stelle auf Gedeih und Verderb an Wohnen festzuhalten“, sagt er und fügt hinzu. „Wenn Gewerbe, dann doch an der B73!“ Jetzt will sich die SPD, die zurzeit die Mehrheit in der Bezirksversammlung stellt, vor Ort ein Bild von der Lage machen. „Sofern aus unserer Sicht eine Wohnnutzung aufgrund von bestehendem Gewerbe etwa durch Lärm faktisch nicht möglich ist, würden wir entsprechende politische Konsequenzen ziehen“, verspricht Muammer Kazanci (SPD), Vorsitzender des Bauplanungsausschusses. Dann könnte im Regionalausschuss über Yilmazs Fall beraten werden. Für den Grundstückseigentümer ist das zumindest ein Hoffnungsschimmer.
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