„Diese Wohnung macht mich krank!“

Die Treppen in den Keller steigt Sabine Herrmann nur ungern herab – es riecht stark nach Schimmel, die Wände sind voller schwarzer Flecken. Da ihre Waschmaschine und der Trockner hier stehen, lässt es sich jedoch nicht vermeiden. „Den Trockner habe ich gekauft, weil ich Wäsche nicht in der Wohnung aufhängen darf, damit sich keine Feuchtigkeit bildet“, erklärt die Mieterin. Schimmel hat sie trotzdem.
 
Sabine Herrmann leidet an Asthma. Weil es in ihrem Schlafzimmer schimmelt, schläft sie seit Monaten auf der Couch. Sie möchte gerne umziehen, aber eine andere Wohnung zu finden sei schwer, sagt die Hartz-IV-Empfängerin.

Verschimmelte Keller und Schlafräume: Mieter werfen Vermieter Untätigkeit vor

Mein Schlafzimmer riecht nach Moder“, sagt Sabine Herrmann. Immer wieder hat sie ihre Zwei-Zimmer-Wohnung in der Stader Straße 130 nach Schimmel abgesucht, doch gefunden hat sie lange Zeit nichts. Bis August 2012. „Ich musste mein Bett von der Wand schieben, weil das Handy dahinter gerutscht ist. An der Wand war auf einmal ein großer schwarzer Schimmelfleck“, berichtet die 51-Jährige. Sofort setzt sich die Harburgerin mit ihrem Vermieter in Verbindung. Doch auch heute ist die Wand immer noch schwarz. Und Sabine Herrmann schläft seitdem im Wohnzimmer.
„Ich habe Asthma und bin nur noch am Keuchen. Diese Wohnung macht mich krank!“, klagt sie. Auch die Wände im Keller sind mit Schimmelflecken übersät. Und das schon seit mehreren Jahren, berichtet Herrmann: „Da steht regelmäßig Wasser.“ Mithilfe des Mietervereins versucht sie seit August, den Vermieter zum Handeln zu bewegen. Doch mehrere Fristen verstrichen, ohne dass der Schimmel in ihrer Wohnung oder im Keller beseitigt wurde. „Deshalb mindere ich die Miete um 150 Euro. Aber das bringt auch nichts. Ich kann einfach nicht mehr“, sagt die verzweifelte Frau, die sich zurzeit von den Folgen eines Schlaganfalls erholt.
Die Vermieter, zwei Harburger Anwälte, können die Vorwürfe nicht verstehen. „Natürlich wird der Schimmel beseitigt. Wir haben einen Handwerker damit beauftragt“, sagt Ralf Brückner. Warum das so lange dauert, erklärt er so: „Zuerst musste die Durchfeuchtung der Wand austrock-nen.“ Auch gegen den feuchten Keller wolle man vorgehen. „Das geht nicht von heute auf morgen. Wir wollen mit Hilfe einer Architektin herauszufinden, woher das Wasser kommt.“
Tatsächlich hat sich wenige Minuten nach der Wochenblatt-Anfrage ein Handwerker bei Sabine Herrmann gemeldet. Doch mit ihm hat sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht. „Den lasse ich nicht in die Wohnung, weil er immer nach Alkohol riecht. Das habe ich meinem Vermieter wiederholt mitgeteilt“, sagt sie. Damit die Sanierung nicht zum Stillstand kommt, rät Siegmund Chychla, Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins, den Handwerker nur im Beisein eines Zeugen in die Wohnung zu lassen. „Es geht ja darum, dass hier möglichst schnell saniert wird. Dafür schicken wir gerne einen Außendienstmitarbeiter vorbei“, so Chychla.




Bei den Nachbarn schimmelt es auch:
Auch Sabine Herrmanns Nachbarn in dem zweistöckigen Vier-Parteien-Haus klagen über Schimmel. „Ich wische jede Woche eine Schicht Schimmel von der Fensterbank“, sagt Dolores Behr, die mit ihrer 17 Monate alten Tochter und einer Mitbewohnerin, die ebenfalls ein Baby hat, im Dachgeschoss wohnt. Zudem sind mehrere Fenster in der Vier-Zimmer-Wohnung undicht. „Meine Tochter kann nicht mehr im Kinderzimmer schlafen. Seit ihrer Geburt hat sie Probleme mit den Bronchien. Das ist doch nicht normal“, sagt Behr. Das Kinderzimmer grenze an das Bad. Die Wand dort sei unter der Tapete schwarz vor Schimmel. Alle Versuche, den Vermieter zur Beseitigung der Schäden zu bewegen, seien bisher gescheitert. Behr: „Wir wohnen hier seit zwei Jahren, und nicht ein Mal war ein Handwerker da.“ Sie und ihre Mitbewohnerin haben die Wohnung zum 1. April gekündigt.
Vermieter Ralf Brückner sind die Schäden in der Wohnung nicht bekannt. „Von den Mietern im zweiten Stock haben wir keine einzige Mängelrüge bekommen. Solchen Dingen gehen wir nach.“
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1 Kommentar
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Manfred Hagel aus Harburg | 21.01.2013 | 21:51  
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