Die ersten 50 müssen gehen

Mehrere Entlassungswellen hat die Sietas-Belegschaft seit der Insolvenz überstanden, am 1. April werden wieder rund 50 Arbeiter das Unternehmen verlassen müssen.

92 Prozent der Sietas-Belegschaft wechselt bis Juli schrittweise in eine Transfergesellschaft – Insolvenzverwalter bemüht sich weiter um neue Aufträge

Das Ende der Neuenfelder Traditionswerft ist eingeläutet: Zum 1. April müssen 50 Arbeiter die Sietas-Werft verlassen, wie ein Sprecher des Unternehmens bestätigte. Sie wechseln in eine Transfergesellschaft, in der sie bis zu fünf Monate lang für einen neuen Job fit gemacht werden sollen. Für sie gibt es keine Arbeit mehr, nachdem die Stahlarbeiten an der „Aeolus“, dem vorerst letzten Schiff, das auf der Werft gebaut wird, vollendet sind. Das Windkraft-Errichterschiff soll im Juli an das niederländische Wasserbauunternehmen Van Oord übergeben werden. Spätestens dann wird es auf der 1635 gegründeten Werft auch für die letzten verbliebenen Mitarbeiter nichts mehr zu tun geben.
Bis die Maschinen endgültig still stehen, werden die meisten der 390 Sietas-Beschäftigten schrittweise in eine Transfergesellschaft wechseln. Wie das Unternehmen mitteilte, haben 92 Prozent der Belegschaft diesem Schritt zugestimmt und so eine betriebsbedingte Kündigung vermieden. Die 13 Auszubildenden der Sietas-Werft können ihre Ausbildung in Zusammenarbeit mit anderen Betrieben beenden.
Wenn es Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann doch noch gelingt, einen neuen Schiffbau-Auftrag an Land zu ziehen, können die Mitarbeiter umgehend aus der Transfergesellschaft wieder ins Unternehmen geholt werden. „Wir bemühen uns natürlich weiter um Aufträge und sind auch mit möglichen Auftraggebern in Verhandlungen, so dass wir die Transfergesellschaft als letztes Mittel ansehen. Sofern es uns gelingen sollte, Aufträge zu gewinnen, stehen auch Investoren bereit, die die Werft übernehmen würden“, so Brinkmann.
Zuletzt war ein Investor abgesprungen, nachdem die Van Oord Gruppe ihren Auftrag für ein zweites Windkraft-Errichterschiff Ende 2012 verschoben hatte. Das Schiff wird vorerst nicht gebraucht, denn der Bau von Windparks in der Nordsee stockt. „Die schwierige Lage der Sietas Werft hätte entschärft werden können, wenn die Bundesregierung bei der Energiewende ihre Hausaufgaben gemacht hätte“, kritisiert Wirtschaftssenator Frank Horch. „Die Förderung der erneuerbaren Energien muss klar geregelt werden, sonst werden wir keine Investoren finden.“
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