Der Geiger von Neugraben

Ian Mardon hat als Vierjähriger mit dem Geigespielen begonnen – sein Vater war Hobbygeiger, seine Mutter Musiklehrerin und Organistin. Auch Töchterchen Gwendolyn (17 Monate) hat schon eine eigene Geige.

Virtuose Ian Mardon gibt Unterricht und plant Konzerte in Süderelbe

Vorsichtig holt Ian Mardon seine Guadagnini aus ihrem Kasten. Er wickelt die 238 Jahre alte Geige aus einem schützenden Tuch, legt sie an sein Kinn und fängt an zu spielen. Seit 18 Jahren nennt der gebürtige Kanadier, der in Boston Musik studiert hat, Hamburg sein Zuhause. Hier gründete der Mann mit den wirren Locken das Kammerorchester „Hamburg Chamber Players“ und machte sich einen Namen als Musiker. Vergangenen Sommer zog Mardon mit Frau Ines, Sohn Cedric (5) und Tochter Gwendolyn (17 Monate) in ein Reihenhaus im Neugrabener Dorf. Seitdem gibt der nur 1,56 Meter kleine Musiker auch in Süderelbe Konzerte und unterrichtet Geigenschüler.
Seine Anwesenheit hatte sich in Windeseile rumgesprochen. „Ich hab 17 Geigenschüler und bin ausgebucht!“, freut sich Mardon. Doch genug Zeit, um Töchterchen Gwendolyn zu unterrichten, bleibe trotzdem. Zwar dauert es noch einige Zeit, bis das Mädchen groß genug ist zu spielen, doch eine eigene Geige hat es bereits. Das Mini-Instrument, eine so genannte 64stel Geige, ist von Kratzern übersät. „Auf der hat schon ihr Bruder gespielt, aber das war nichts für ihn. Er spielt lieber Schlagzeug“, erzählt Mardon.
Der 42-Jährige ist als „Geiger vom anderen Stern“ bekannt. „Den Namen habe ich mir mit meiner Frau ausgedacht“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln. So bleibe er Konzertveranstaltern einfach besser im Gedächtnis, sei nicht einfach irgend ein Geiger. Der Marketing-Clou scheint geklappt zu haben, denn der Musiker wird seit langem für rund 40 Konzerte pro Jahr gebucht. Daran dürften sein virtuoses Geigenspiel und die mit amüsanten Anekdoten gespickten Konzerte nicht ganz unschuldig sein.
Wer Mardon auf der Bühne sehen möchte, hat dazu in Süderelbe an Sonntag, 21. April, um 17 Uhr in der Cornelius-Kirche, Dritte Meile 1, Gelegenheit (Eintritt frei). Dann wird der Geiger bei einem Soloabend unter dem Motto „Grüße aus Kanada“ auch eigene Werke spielen. Das Komponieren mache ihm großen Spaß, sagt Mardon: „Ich will aber keine intellektuelle Kunstmusik machen, sondern qualitativ hochwertig Musik, die Leute auch hören wollen.“ Zudem interessiert er sich auch für andere Musik und greift zur E-Geige, wenn er mit seiner Speed-Folk-Band „Irish Bastards“ die Bühne rockt.
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