Der Bombenhölle entronnen

Libyen – Italien – Finkenwerder: Nach vier Jahren Ungewissheit darf Steven Takyi nun endlich in Hamburg bleiben. der Finkenwerder Unternehmer Christian Requard half dabei und gab ihm auch einen Job. (Foto: ats)

Steven Takyi floh aus Libyen, in Finkenwerder schöpft er erstmals wieder Hoffnung

Andreas Tsilis, Finkenwerder - Am Tag, als die ersten Bomben fielen, wusste Steven Takyi (31), dass er Libyen verlassen musste. Acht Jahre arbeitete der Ghanaer dort als Bauarbeiter - der beginnende Bürgerkrieg im Jahr 2011 machte seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft kaputt. Doch wohin sollte er gehen? Ganz Nordafrika war in Aufruhr, und auch in die westafrikanische Heimat konnte Steven nicht zurück.
„Der Weg übers Mittelmeer war die einzige Chance“, sagt er. Die einwöchige Flucht übers Wasser in einem notdürftig flottgemachten, viel zu kleinen Seelenverkäufer geriet zur lebensgefährlichen Odyssee. Fünf Menschen starben. „Sie verhungerten oder verdursteten“, sagt Steven, immer noch tief bewegt.
Vor Sizilien rettete die italienische Marine die stark geschwächten Flüchtlinge. Im italienischen Auffanglager bekam Steven täglich 2,50 Euro für Essen und Trinken. Es reichte knapp, um zu Überleben. Seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft ging zum zweiten Mal kaputt. 2013, nach zwei Jahren Lageraufenthalt, durfte Steven, ausgestattet mit einem Visum, das Land verlassen und floh illegal nach Hamburg.

Steven Takyi hat einen Arbeitsplatz

Hier schlief er zuerst unter St.Paulis Brücken, schließlich fand er Zuflucht im Kirchenasyl. Der „Zurückschiebung“ nach Italien entging er - Steven war einer jener Lampedusa-Flüchtlinge, für deren Bleiberecht Hamburger auf die Straße gingen.
Trotzdem wäre seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft fast ein drittes Mal zerstört worden. Es brauchte viel Kämpfe und einen langen Atem, bis Steven vor wenigen Monaten eine Duldungs- und Arbeitserlaubnis erhielt. Beim Ausfüllen der zahlreichen Anträge und Formulare halfen Mitarbeiter von „PerLe“, einem Flüchtlingsprojekt. Den Kontakt vermittelten Christian Requard (39) und sein Freund „Johnny“, beides Mitglieder des FC St.Pauli. „Allein gegen die Behörden, wäre Steven verloren gewesen“, erzählt Requard.
Seit dem 1.September arbeitet Steven bei einem Finkenwerder Unternehmen, das Haushalte auflöst. Es gehört Requard. Dort verdient Steven Takyi elf Euro brutto die Stunde, zahlt Steuern. Sein Chef ist mit ihm hochzufrieden. Nach vier Jahren hat Steven Takyi, der eigentlich nur in seine Heimat Ghana zurück wollte, nun das erste Mal die Chance auf eine halbwegs bessere Zukunft.
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